Nr. 03/2019 vom 17.01.2019

Auf Heizdecken und unter Höhensonnen

Von Stephan Pörtner

Die degenerierten Haushunde brachten es immer weniger zustande, sich artgerecht zusammenzurollen und so den Verlust der Körperwärme zu minimieren. Stattdessen suchten sie die Nähe von Radiatoren und Bodenheizungen. Weil es Derartiges in der Natur nicht gab, erkälteten sich die Viecher im Winter beim Aufenthalt im Freien, was zu einer unschönen Häufung niesender, triefäugiger und hustender Köter führte, die sich gegenseitig ansteckten. Die HalterInnen dieser jämmerlichen Kreaturen forderten deshalb schon länger, Hunde in die der angestrebten 2000-Watt-Gesellschaft zugrundeliegende Bevölkerungszahl einzubeziehen, um so den Stromverbrauch rechtfertigen zu können, der durch die Lagerung des kränkelnden Tierbestands auf Heizdecken und unter Höhensonnen stetig stieg.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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