Nr. 05/2019 vom 31.01.2019

Perfide Pseudopädiatrie

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Am Samstag gehen auch in der Schweiz wieder massenhaft junge Leute auf die Strasse und protestieren gegen die fehlende Bereitschaft der Politik, wirksame Klimaschutzmassnahmen zu ergreifen. Prompt haben PolitikerInnen des rechten Spektrums ihr fundiertes Wissen über Hirnreifung und Psychologie bei der Jugend offenbart. Aus allen Löchern reckt das selbsternannte pädiatrische Fachpersonal empört den Hals und erklärt der staunenden Welt, man sorge sich doch nur um «unsere Kinder». Den grotesken Höhepunkt bilden idiotische und beleidigende Ferndiagnosen über die geistige Verfasstheit von Greta Thunberg, der Initiantin der Schulstreiks; die sechzehnjährige Schwedin wird als gehirngewaschene Marionette ruchloser Eltern und Umweltschutzorganisationen beschimpft.

Dass streikende SchülerInnen Opfer «politisch korrekten Kindsmissbrauchs» seien, weiss SVP-Nationalrat Claudio Zanetti, und seine Partei- und Amtsgenossin Barbara Steinemann verkündet aus gekräuseltem Gouvernantenmündchen, hinter den «Streikereien» stecke bloss eine einzige Idee: einen Grund zum Schwänzen zu suchen. Die inbrünstigen Versuche, all die gescheit argumentierenden Jugendlichen zu urteilsunfähigen Kindern zu erklären, sind einfach nur peinlich. Wer dieses Jahr erstmals wählen darf, wird im Herbst sicher gern an den scheinheiligen Support dieser besorgten Erziehungsfachleute zurückdenken.

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