Nr. 06/2019 vom 07.02.2019

Von David Hunziker

Harsches Temperament

Sie machen schnell süchtig, diese melancholischen R-’n’-B-Tracks für die Clubnacht. Zum Beispiel «2BORNT2B» von Lyzzas letztjähriger EP «Imposter». Über einem zerdrückten Bass wiederholt sie, die sich in der experimentellen Clubszene von Amsterdam und darüber hinaus gerade einen Namen macht, Zeilen über die Enttäuschung einer Liebschaft – das My, mit dem sie mit ihrer Stimme immer wieder neben den richtigen Ton sticht, garantiert das Unbehagen.

Nun spielt Lyzza am SIC! Klubfestival in Bern, auf dessen hochkarätiges Line-up voller Gegenwartsmusik wir uns sowieso freuen können. Die Palette reicht dabei vom düsteren Folk der Neuenburgerin Emilie Zoé über den angriffigen politischen Rap von Ebow bis zum dramatischen Synthiepop von Camilla Sparksss. Was vielen dieser Musikerinnen gemeinsam scheint: Vermeintliche Idyllen und Glückseligkeiten brechen sie, mal subtiler, mal ganz konfrontativ, mit harschem Temperament, ob dieser Punk nun in eine Gitarre oder in die Turntables fliesst. Dass man dann gar nicht sagen muss, dass dieses dreitägige Festival in den Hauptrollen ausschliesslich von Frauen bestritten wird, ist umso cooler.

SIC! Klubfestival in: Bern ISC Club, Do, 7. Februar 2019, 20.30 Uhr; Fr, 8. Februar 2019, 21.30 Uhr; Sa, 9. Februar 2019, 21.30 Uhr. Programm unter: isc-club.ch.

Revolutionär gespielt

Als Schauspieler müsse man sich entscheiden, sagte Gian Maria Volonté einmal, ob man bloss ein Werkzeug in den Händen der Macht sein wolle oder ob man es auf eine revolutionäre Beziehung zwischen Kunst und Leben abgesehen habe. Wer so spricht, hat sich natürlich für Letzteres entschieden.

Das Stadtkino Basel widmet den Meisterwerken des italienischen Films, in denen der Schauspieler mit dem kämpferischen Herzen mitgewirkt hat, gerade eine Retrospektive. Volontés unbeirrbarer Glaube daran, dass es im Leben letztlich um Klassenkampf geht, hielt ihn nicht davon ab, zunächst vor allem als Bösewicht zu brillieren. So etwa als Gegenspieler von Clint Eastwood in Sergio Leones «Dollar»-Trilogie, die zwischen 1964 und 1966 erschien und Volonté international erstmals ins Rampenlicht rückte. Die Rolle des Outlaws im Italowestern stand ihm dabei auch als widerständige Position gegenüber der gesellschaftlichen Ordnung.

Doch Gian Maria Volonté bekleidete auch Rollen, die weniger ambivalent auf der guten Seite angesiedelt waren, so etwa die eines rebellischen Arbeiters in Elio Petris «La classe operaia va in paradiso» oder eines aufrichtigen Journalisten in Claude Gorettas «La Mort de Mario Ricci». Die Reihe ist nicht nur ein Rückblick auf eine grosse Episode des Kinos, sondern auch auf eine Zeit, in der die radikale Linke noch unverschämt träumen durfte.

«Gian Maria Volonté: Und die Linke ballt die Faust!» in: Basel Stadtkino. Die Reihe läuft bis am 27.  Februar 2019. Programm unter: www.stadtkinobasel.ch.

Klein und fordernd

Seit der Gründung von Ear We Are vor zwanzig Jahren in einer leer stehenden Fabrik bietet dieses Kleinod von einem Festival zeitgenössische Musik fernab des Mainstreams und aus der ganzen Welt. Auch das diesjährige Programm stösst wieder in so verschiedene Gebiete wie Improvisation, Rock, Free Jazz, Black Music oder zeitgenössische Weltmusik vor.

Ear We Are in: Biel Alte Juragarage, Do–Sa, 7.–9. Februar 2019. Programm unter: www.earweare.ch.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch