Nr. 07/2019 vom 14.02.2019

Gescheiterter Geschlechterreigen

Von Karin Hoffsten

Am Wochenende wurde die Initiative gegen die Zersiedelung des schönen Schweizerlands abgelehnt und dieses Ergebnis der Überzeugungskraft von Bundesrätin Simonetta Sommaruga zugeschrieben. Nachdem die Magistratin wegen ihrer Arbeit im ehemaligen Departement von den eher toxisch männlichen Teilen des Schweizer Stimmvolks jahrelang fertiggemacht wurde, gönne ich ihr zwar von Herzen mal so ein nettes Erlebnis mit dem Volk – aber blöd find ichs trotzdem.

Apropos toxische Männlichkeit. In meinem Bekannten- und Verwandtenkreis fehlen deren Vertreter glücklicherweise, doch man kann es gar nicht oft genug thematisieren: Opfer von männlicher Gewalt zu werden, ist weltweit das grösste Gesundheitsrisiko für Frauen. Auch in der Schweiz wird durchschnittlich alle zwanzig Tage eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet.

Und diese Morde werden medial regelmässig durch blödsinnige Euphemismen geadelt, man muss nur den Code kennen: Beziehungsdrama = nur die Frau tot, Familiendrama = Frau und Kind(er) tot, erweiterter Suizid = alle tot (mit psychologischem Anstrich).

Aber auch wo nur erotisches Flirren in der Luft liegen sollte, kann es für eine Frau gefährlich werden. Anfang Januar berichtete heute.at aus Wien: «Flirt scheitert – Radler schlägt Frau (25) fast tot. Ein Radfahrer wollte Frauen ansprechen, stellte sich dabei aber denkbar ungeschickt an. Aus Frust schlug er zu.»

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