Nr. 11/2019 vom 14.03.2019

Tödliche Digitalisierung

Von Susan Boos

Ein Lehrstück, wie die Digitalisierung Hunderte von Menschen umbringen kann: Es geht um die Boeing 737 Max 8, einen topmodernen Flieger – der erste stürzte im Oktober in Indonesien ab, der zweite vor wenigen Tagen in Äthiopien, 378 Menschen starben. Inzwischen darf das Flugzeug in Europa nicht mehr fliegen. Überall heisst es nun, ein Softwarefehler sei schuld. Doch eigentlich war es kein Softwarefehler, sondern der Versuch, mit Software Geld zu sparen. Vermutlich werden die beiden Abstürze Boeing ruinieren. Denn was der Flugzeughersteller getan hat, sollte man nicht tun: Er hat die zuverlässige Boeing 737 mit neuen Triebwerken versehen, die weniger Sprit verbrauchen. Diese waren aber für ein anderes Flugzeug entwickelt worden und sind grösser als die alten. Deshalb passten sie nicht mehr unter die Flügel der Boeing 737. Also hängte man sie vorne an die Flügel statt darunter. Es leuchtet ein, dass das für die Flugeigenschaften nicht gut ist. Boeing hätte alles neu berechnen müssen, um den Schwerpunkt des Flugzeugs wieder am optimalen Ort zu haben.

Das hätte viel Geld gekostet. Doch das wollte man nicht ausgeben, und so setzte man auf eine Softwarelösung: Man versah das Flugzeug mit einem Trimmsystem, das die schlechten Flugeigenschaften des Flugzeugs elektronisch ausgleichen sollte. Wenn nun aber Sensoren ausfallen, spielt das Trimmsystem verrückt. Und wenn es dann noch ein bisschen turbulent wird, wie beim Starten und Landen, haben die PilotInnen kaum mehr eine Chance, den Flieger manuell aufzufangen. Die Maschine schmiert ab und tötet ihre PassagierInnen.

Es ist also nicht die Software schuld, sondern mutmasslich ein schlecht gebautes Flugzeug, das man mit Software sicherrechnen wollte. So geht tödliche Digitalisierung.

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