Nr. 18/2019 vom 02.05.2019

Entschuldigung!

Ruedi Widmer über den Wald, stinkende Blumen und Minenwerfer

Von Ruedi Widmer

Die nachträgliche Entschuldigung zur Nomination der nicht umgänglichen Aargauer Regierungsrätin Franziska Roth mag gut und redlich gemeint sein, aber die SVP würde sich lieber für die homophoben (Claudio Schmid, ZH) und tourismusfeindlichen (Thomas Aeschi, ZG) Äusserungen ihrer Abgeordneten in den sozialen Medien entschuldigen.

Die Ruag hat im Auftrag der Schweizer Armee aus ihrer Sicht einen Minenwerfer entwickelt. Aus der Sicht des Bundes handelt es sich aber weniger um einen Minenwerfer als um eine reine Kostenexplosion mit jahrelanger Verspätung. Damit dringt die Ruag in jene explosiven Verspätungsmärkte vor, die bis jetzt von Bombardier beherrscht wurden. Weitere Konkurrenten bieten bereits Verspätungen bis zu hundert Jahren an.

Ich bitte um Entschuldigung für diese Kolumne.

Die Beherrschung der Technik wird immer schwieriger. Neben Bombardier mit seinen Zügen und der Ruag mit ihren Waffen kämpft Boeing mit seinen Flugzeugen. Die 737 Max und der Dreamliner scheinen sich total gegen das US-Unternehmen verschworen zu haben. Boeing kauft nun bei der Ruag Flugabwehrgeschosse, um ihre Problemjets vergrämen zu können.

Während die antielitären Abendlandretter um Steve Bannon und den innersten Vatikan das alte Kloster Trisulti in Italien in ein Institut zur Ausbildung rechtspopulistischer Politiker herrichten, gründet der elitäre Emmanuel Macron in Paris in den Mauern von Notre-Dame ein Edelinstitut für MillionärInnen. Wird auch irgendwo eine Kirche für Normale gepützelt?

Die ehemalige Zürcher Politikerin Susi Gut (ehemals SD, dann SVP, nun auch sie parteilos) tritt neu unter dem angeheirateten Namen Susi Schildknecht im Aargau zur Nationalratswahl an. Ihr Ehemann würde lieber Gutknecht heissen, dann wüsste der Wähler eher, dass er Susi Gut wählt und nicht irgendwen. Aber so ist es natürlich ein Schildbürgerstreich. Wir erwarten auch hier diverse Entschuldigungen.

Das Schweizer Fernsehen hat eine schlimme Sünde vor Gott und SVP-Kantonsrat Claudio Schmid begangen: Sie hat einen Heiratsantrag von Sven Epiney (SRF!) an den Lebenspartner von Sven Epiney (SRF!) live übertragen! Und das mit unseren Steuergeldern! «Das ist doch kein Bordell!», klang es in den abendländischen Media-Niederungen. Die «NoBordell»-Initiative ist wohl schon aufgegleist.

Der Schweizer Wald werde bald nicht mehr mehrheitlich aus Fichten bestehen, sagen die Schweizer FörsterInnen unisono. Wegen der steigenden Durchschnittstemperaturen werden die langstämmigen Nadelbäume aus den Wäldern des Mittellands verschwinden. Leiden darunter dürften die Städte, wo die arbeitslos gewordenen Bäume herumlungern und sich betrinken werden. Mit dichten Fichten ist nicht zu spassen. Wenn sie umfallen, zerdrücken sie FussgängerInnen. Im Botanischen Garten der Universität Zürich blühte, selten genug, am Wochenende eine Titanwurz. Die Blüte duftet nach verdorbenem Fleisch. So kann der Veganer also mit gutem Gewissen alle circa zehn Jahre ein Stück Fleisch geniessen, und es muss ihm erst noch nicht schmecken.

Der umstrittene Mobilfunkstandard 5G ist für das «Internet of Things» nötig. Damit können Gegenstände (z. B. die Boeing 737 Max und die Titanwurz) miteinander interagieren. Vor allem ist 5G eine Voraussetzung für selbstfahrende Autos. 5G ist ebenso für das «Internet of Politicians» wichtig, mit dem PolitikerInnen endlich untereinander oder mit weiteren Personen kommunizieren und sich vernetzen können. Die nicht mehr von der SVP gesteuerte, sondern nun selbstpolitisierende Franziska Roth kann dank 5G für andere gefahrlos im Aargauer Gesundheitswesen herumfuhrwerken, ohne anzuecken. Die anderen müssen aber auch auf 5G oder sonstigen Medis sein.

Ruedi Widmer (Winterthur) würde als Titanwurz lieber eher nach Käse stinken und entschuldigt sich nochmals für alles.

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