Nr. 20/2019 vom 16.05.2019

Von Alice Galizia

Düsteres Roadmovie

1999: Serbien befindet sich im Krieg, die Nato bombardiert das Land. Der arbeitslose Vlada (Leon Lucev) nimmt von der Armee einen Job als Lastwagenfahrer an: Er soll eine Fracht vom Kosovo nach Belgrad transportieren. Was im Lastwagen ist, weiss er nicht – und er stellt auch keine Fragen. Also fährt er durch diese düstere Szenerie des Balkankriegs – zusammen mit dem Teenager Paja (Pavle Cemerikic), den er als Anhalter aufgabelt. Der junge serbische Regisseur Ognjen Glavonic hat in seinem ersten Spielfilm «Teret. The Load» seine eigenen Erfahrungen mit dem Krieg verarbeitet. Er fragt nach der Rolle des Zivilisten im Krieg – und wo seine Mitverantwortung beginnt.

«Teret. The Load» in: Zürich Xenix, Do, 16. Mai 2019, 20 Uhr (mit Leon Lucev); Bern Kino Rex, Do, 16. Mai 2019, 20.15 Uhr, Fr, 17. Mai 2019, 18.15 Uhr (mit Leon Lucev).

Koloniale Verstrickungen

Dass die Schweiz zwar keine Kolonien hatte, aber doch kräftig im kolonialen Geschäft mitgemischt hat, sollte den meisten mittlerweile bekannt sein. Aber wie genau? Und: Sieht man das der Schweiz an, zum Beispiel im Stadtbild? Ja klar, sagt die NGO Cooperaxion, die sich für nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch entlang der früheren Sklavenhandelsrouten einsetzt. Sie bietet in Neuenburg und Bern Stadtführungen an: Paläste und Villen zeugen in Neuenburg vom lukrativen atlantischen Waren- und Sklavenhandel, an dem sich grosse Familien wie die de Purys oder die de Meurons goldene Nasen verdienten.

Und in Bern erfährt man, was Rathaus, Holländerturm oder Waisenhausplatz mit den kolonialen Verstrickungen der Schweiz zu tun haben. Die rassistische Darstellung eines dunkelhäutigen Mannes ist bei der Zunft zum Mohren in der Berner Altstadt jedenfalls bis heute zu sehen.

«Auf den Spuren des Kolonialismus» in: Bern Sa, 18. Mai 2019, 17 Uhr, Treffpunkt zwischen Bundesplatz und Bärenplatz; Neuenburg Sa, 25. Mai 2019, 17 Uhr, Office du Tourisme. Anmeldung für beide Stadtführungen per Mail: mira.koch@cooperaxion.org.

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