Nr. 21/2019 vom 23.05.2019

Der Mann, die Frau, das Amt

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Würde der Bundesratsjob per Stelleninserat ausgeschrieben, könnte das so lauten: Kommunikative, entscheidungsorientierte und eloquente Führungspersönlichkeit (m/w) für international tätiges Unternehmen gesucht. Im Umgang mit internen und externen Anspruchsgruppen beherrschen Sie Deutsch, Französisch und Italienisch in Wort und Schrift, für internationale Reisetätigkeiten sind sehr gute Englischkenntnisse von Vorteil. Der jährliche Bruttolohn beträgt 451 417 Franken, dazu kommen eine Spesenpauschale von 30 000 Franken, ein Erste-Klasse-GA sowie weitere 12 000 Franken im Präsidialjahr – ein hoch qualifizierter Job also.

Es ist statistisch gesichert, dass sich viele Frauen, die nicht mindestens ein Jahr im englischsprachigen Raum verbracht haben, gar nicht erst auf diese Stelle bewerben würden, selbst wenn sie die übrigen Bedingungen erfüllen. Die meisten Männer hingegen scheinen zu denken: So viel Englisch, wie die wollen, kann ich mir immer noch aneignen.

Ueli Maurer hat den Job schon und gab als Bundesrat CNN ein Liveinterview auf Englisch. Ein Auftritt, über den man jetzt landauf, landab hört, er sei doch sympathisch unbeholfen gewesen – nicht so glatt und perfekt, typisch schweizerisch halt.

Was hierzulande los wäre, hätte sich eine unserer Bundesrätinnen das geleistet, will ich mir lieber gar nicht erst vorstellen. Ganz davon abgesehen, dass sich unter vergleichbar mageren Voraussetzungen sowieso keine Frau um das Amt bemühen würde. Ausser Magdalena M.-B. vielleicht.

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