Nr. 32/2019 vom 08.08.2019

Von Karin Hoffsten

Verneinende I

Dieser Sommer präsentiert sich nicht nur zeitweilig sehr heiss, sondern auch als Nährboden für verwirrende Nachrichten, wobei das eine möglicherweise fürs andere verantwortlich ist. So meldete das «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis»: «Noch nicht abgeschlossen sind die Verhandlungen zwischen Rettungsdiensten und den Unfallversicherern nicht», was ja angesichts drohender Kreislaufkollapse in hohem Mass verunsichernd wirkt.

Verneinende II

Die Symptomatik traf wohl auch den Präsidenten der Berner Young Boys, der im «Bund» zu den reich fliessenden Sponsorengeldern für seinen Verein sagte: «Die Gefahr ist, dass es nicht zu einer Verwässerung kommt.» Besorgte Fans fürchten jetzt die nächste Trockenperiode.

Verdoppelte

Mit urtümlichen Buchenwäldern in Rumänien befasste sich die «Zeit». Auf der dazugehörigen Grafik umklammert ein zweiteiliges Ungarn Rumänien von Osten und von Süden her, was auf Kosten von Bulgarien geht. Wir wollen der Redaktion keine grossungarischen Träume unterstellen, sondern kennen es selbst: Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks weiss man ja nie genau, was in Europa wo liegt.

Niederschlagende

Hoffentlich ebenfalls der Hitze geschuldet ist, was Professor Stefan Fröhlich in der NZZ schrieb: «Deutschland muss viertens den Verlust des Vertrauens in die Rationalität demokratischer Entscheidungsprozesse wiederherstellen.» Andernfalls dürfte im nördlichen Nachbarland endgültig alles drunter und drüber gehn.

Vielversprechende

Mit einer schlichten Plakatserie feiert «20 Minuten» derzeit ihren 20. Geburtstag. «Jetzt bildet man sich hier die Meinung», heisst es da, im Heft aktuell belegt durch den Titel: «Mann ohne Kopf und Hose in Feld gefunden», wozu wir mit unserer Meinung lieber zurückhalten. Eine zweite Plakatbotschaft lautet: «Jetzt versteht man, was man liest.» Der überzeugende Beweis dafür, dass das stimmt, fand sich ein paar Tage später auf 20min.ch: «Toter Schweizer ohne Kopf war dement.»

Genesende

Sueddeutsche.de berichtete, dass 160 Gäste kamen, als «der neue Männerverein von Tuntenhausen» sein Vereinsheim einweihte. Da es sich beim Männerverein um die Hells Angels handelt, deren Fest auch 150 Polizisten beehrten, nehmen wir an, dass die Wahl der Ortschaft wichtiger Bestandteil einer antihomophoben Heilkur ist.

Gemeinte

Im «Tages-Anzeiger» schrieb sich kürzlich ein Kulturredaktor eine Suada zur Verteidigung des generischen Maskulinums von der Seele: «Denn dass Frauen vom neutralen Plural nicht mitgemeint seien, ist ja ein blosses Gefühl.» Seine eigene Zeitung muss sich das enorm zu Herzen genommen haben, denn über einen bekannten Berliner Coiffeur hiess es: «Walz frisierte zahlreiche prominente Kunden wie Marlene Dietrich, Sabine Christiansen und Angela Merkel.» Das Gefühl, dass genau diese drei eigentlich alte weisse Cis-Männer sind, hatten wir ja schon immer.

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