Nr. 33/2019 vom 15.08.2019

Von David Hunziker

Rausch am See

Das Openairkino «Film am See» in der Roten Fabrik beschäftigt sich in diesem Sommer mit dem Thema Rausch. Wer da allerdings an Junkies oder RaverInnen denkt, liegt im Fall des 2018 erschienenen «Birds of Passage» verkehrt. Der Film von Ciro Guerra und Cristina Gallego beschäftigt sich mit dem Einfluss des Drogenhandels auf die indigene Bevölkerung der Karibikhalbinsel Guajira in Kolumbien. Erzählt wird die Geschichte einer Familie der Wayúu, der grössten indigenen Bevölkerungsgruppe der Region, die in das lukrative, aber risikoreiche Geschäft mit Marihuana verwickelt wird, das vorwiegend in den USA konsumiert wird. Der Film beeindruckt mit ethnografischer Beobachtungsgabe beim Blick auf die Traditionen und Mythen auf Guajira, aber auch mit seiner starken Bildsprache.

«Birds of Passage» in: Zürich Rote Fabrik, Do, 15. August 2019, 21 Uhr. Restliches Programm von Film am See: «Naked Lunch» von David Cronenberg am 22. August 2019, «Climax» von Gaspar Noé am 29. August 2019, jeweils 21 Uhr.

Funky Rob

Unter Eingeweihten gilt der Funk- und Afrobeatmusiker Rob als Legende der westafrikanischen Musik. Nachdem der Sänger mit überschäumendem Charisma in den siebziger Jahren zwei Alben mit hinreissender, grooviger Musik veröffentlicht hatte, interessierte sich der Markt bald nur noch für Disco, und Rob führte ein Restaurant in Accra. Nun wird seine Musik gerade wiederentdeckt und neu herausgebracht. Und nicht nur das: Funky Rob ist sogar live in Aktion zu erleben.

Rob in: Basel Kaschemme, So, 18. August 2019, 20 Uhr; in: Genf Bains des Pâquis, Di, 20. August 2019, 19 Uhr.

Denken im Tal

Wieso in ein idyllisches, abgelegenes Tal im St. Gallischen fahren, um eine Ausstellung anzuschauen? Weil vielleicht auch der Ort beeinflusst, wie wir über etwas nachdenken. In St. Peterzell, einer ehemaligen Eremitensiedlung im Neckertal, ist in der Propstei derzeit eine kleine Schau über Privatsphäre und Anonymität zu sehen. Ganz vom Rand her werden da drängende Fragen der Zeit verhandelt: was noch privat bleiben darf oder muss oder was Öffentlichkeit im Zeitalter der ökonomischen Verwertung von Information überhaupt bedeutet. Mit dabei, unter anderen: Beiträge der Mediengruppe Bitnik, der Illustratorin Lika Nüssli, des Künstlers Beni Bischof und von Twitterschreck Jessica Jurassica.

«Luxus Privatsphäre / Mythos Anonymität» in: St. Peterzell Propstei, Mi und Sa, 14–17 Uhr, So, 10–17 Uhr. Führungen und Workshops auf Anfrage (patricia.holder@ereignisse-propstei.ch). Die Ausstellung läuft noch bis 22. September 2019.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch