Nr. 34/2019 vom 22.08.2019

Schwab einschweizern

Von Silvia SüessMail an Autor:in

«Wille macht uns einzigartig» lautet ein Satz im neuen FDP-Kampagnenfilm, der zurzeit in den Schweizer Postautos läuft. Zu sehen sind strahlende, erfolgreiche, gut aussehende SchweizerInnen. Denn merke: Wo ein Schweizer oder eine Schweizerin ist, ist auch ein Wille. Und wo ein Wille ist, ist auch Erfolg, und Erfolg wiederum macht sexy. Ergo: Wo kein Schweizer und keine Schweizerin ist, ist kein Wille, ist kein Erfolg und ist auch nix mit sexy.

Vielleicht war es ja die FDP-Kampagne, die Bundespräsident Ueli Maurer auf seinen neusten Geniestreich brachte. Er ist zwar nicht Teil der blauen Willens-, sondern der faulenden Apfelpartei, aber die Geschichte mit dem Schützen und dem Apfel (damals noch rein und ohne Würmer) gehört ja zum selben Mythos wie jene mit der Willensnation. Er will nämlich Professor Klaus Schwab zu einem echten Schweizer Bürger machen und sich so erkenntlich zeigen für dessen Lebenswerk.

Zwar lebt der WEF-Gründer gemäss Schweizer Medien praktisch immer in der Schweiz, doch besitzt er keinen Schweizer Pass. Dies, obwohl sogar sein Vater im Kanton Bern zur Welt kam und erst noch als Sohn einer Schweizerin. Doch weil diese mit einem Deutschen verheiratet war, verlor sie – wie damals alle Schweizerinnen, die einen Nichtschweizer heirateten – ihr Bürgerrecht. Unter anderem aufgrund dieses erst in den fünfziger Jahren geänderten Gesetzes, das davon ausging, dass echtes Schweizer Blut nur über den Vater in den Nachwuchs fliessen kann, ist Schwab kein echter Schweizer. Unfair sei dies, monieren sogar prominente SVPler. Mit einer feierlichen Zeremonie soll das nun geändert werden.

Da würden wir raten: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Warum nicht das Bürgerrecht an alle verteilen, die hier täglich mit harter Arbeit ihre Leistung erbringen – in Jobs, die nicht so sexy sind?

«Dr Willi isch gschtorbe», wies man uns als Kind jeweils zurecht, wenn wir sagten: «Aber ich will!»

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