Nr. 45/2019 vom 07.11.2019

Von Silvia Süess

Unmoralisch

«Kriminalliteratur ist auch bissiger Gesellschaftskommentar. Sie betrachtet das Unmoralische nicht als Abweichung, sondern als Bestandteil der Ordnung», schreibt Else Laudan. Seit 1988 ist sie verantwortlich für die Ariadne-Krimireihe, die im Hamburger Argument-Verlag erscheint und von der Soziologin und Philosophin Frigga Haug – Laudans Mutter – lanciert wurde. Im Zentrum standen von Beginn an – und stehen noch immer – starke Frauenfiguren sowie bis dahin in Krimis vernachlässigte feministische Themen wie die Vereinbarung von Familie, Erwerbs- und Carearbeit oder lesbische Liebe. Nun kommt die Verlegerin und Lektorin Else Laudan nach Zürich und St. Gallen und erzählt von ihrer Arbeit, spricht über aktuelle Trends in der Kriminalliteratur und erläutert, was einen guten feministischen und politisch engagierten Krimi ausmacht.

Else Laudan in: Zürich bücherraum f, Do, 7. November 2019, 19 Uhr; St. Gallen Hauptpost – Raum für Literatur, Fr, 8. November 2019, 19 Uhr. www.buecherraumf.ch / www.hauptpost.ch

Gefährlich

2016 und 2017 schrieb die Autorin Ece Temelkuran in der WOZ ein «Türkisches Tagebuch»: Woche für Woche beschrieb sie, wie das Land nach dem gescheiterten Militärputsch gegen den amtierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zur gespaltenen Nation wurde. Mittlerweile hat Erdogan seine Macht zementiert, liess die Armee in Syrien einmarschieren, und die türkische Gesellschaft ist gespaltener denn je. «Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur», heisst das neue Buch von Temelkuran, das sie an der Buch Basel vorstellt. Temelkuran, die mehrere Romane veröffentlicht hat und als Journalistin für grosse türkische Tageszeitungen tätig war, hat die Türkei bereits 2016 verlassen und lebt in Zagreb – ihre Worte waren zu gefährlich für das Regime.

Ece Temelkuran in: Basel Volkshaus Unionsaal, So, 10. November 2019, 15.30 Uhr. www.buchbasel.ch

Vergessen

«Der vergessene Held» – so lautet der Untertitel von Daniel von Aarburgs Dokumentarfilm über Carl Lutz. Der Schweizer Diplomat in Budapest rettete während des Zweiten Weltkriegs über 60 000 ungarische JüdInnen vor dem sicheren Tod – seine humanitäre Aktion gilt als grösste zivile Rettungsaktion für JüdInnen während des Krieges. Doch nach dem Krieg wurde in der Schweiz gegen ihn ein Verfahren eröffnet, später geriet er in Vergessenheit – erst 1995 wurde er in der Schweiz posthum rehabilitiert.

Ende Oktober nun wurde im österreichischen Bregenz ein Weg nach ihm benannt. Ausserdem wird die Ausstellung «Carl Lutz und das legendäre Glashaus» eröffnet und der Film «Carl Lutz – der vergessene Held» gezeigt.

«Carl Lutz und das legendäre Glashaus» in: Bregenz Herz-Jesu-Kirche, Fr, 8. November 2019, bis Fr, 29. November 2019.

«Carl Lutz – der vergessene Held» in: Bregenz Kino Metro, Do, 7. November 2019, 20 Uhr. www.metrokinobregenz.at

Verzücken

Im kleinen Verscio an der Scuola Teatro Dimitri haben sich die Wege der Genferin Stéfanie Lang und der in Berlin geborenen Judith Bach gekreuzt. Mittlerweile sind die beiden als Duo Luna-tic unterwegs und verzücken das Publikum als Claire und Olli mit ihrem Gesang, ihrem Klavierspiel und mit ihrem feinen Wortwitz und poltrigen Humor. Nun präsentieren sie ihr neues Programm. Ganz unbescheiden heisst es: «Heldinnen!», und im Untertitel: «Olli & Claire spielen Antigone. Fast.»

«Heldinnen!» in: Bern La Cappella, Do–Sa, 7.–9. November 2019, und Mi–Sa, 13.–16. November 2019, jeweils 20 Uhr. www.la-cappella.ch

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