Nr. 49/2019 vom 05.12.2019

Von Daniela JanserMail an AutorIn

Rechte im Kino

HeldInnen von heute? Zum Beispiel WhistleblowerInnen. Allerdings ist der am Human Rights Film Festival gezeigte neue Dokfilm über Chelsea Manning bereits von der Realität überholt, denn sie sitzt seit März wieder im Gefängnis. Im Film von Tim Travers Hawkins kann man sie als verletzliche Transfrau kennenlernen, im Kampf gegen den Rechtsrutsch in den USA. Dazu gibts ein Podium, unter anderem mit dem Bündner Whistleblower Adam Quadroni. Weitere Filme im sorgfältig kuratierten Programm widmen sich forensisch vorgehenden digitalen «Wahrheitsdetektiven» oder bis aufs Blut ausgebeuteten Fischereihelfern im Golf von Thailand («Ghost Fleet»).

«Human Rights Film Festival» in: Zürich Kosmos, 5.–10. Dezember 2019. www.humanrightsfilmfestival.ch

Barry im Gerät

Im Winter 1950/51 starben in der Schweiz 98 Menschen in Lawinen. Seither wurden nicht nur viele Schutzwälder aufgeforstet und Wälle gebaut, sondern auch neue Gefahrenkarten gezeichnet. In sie floss auch älteres Wissen, das die Menschen in den Gefahrenzonen angesammelt hatten. Solche lebensrettenden Verschränkungen zwischen Alt und Neu lassen sich bis in die heute benutzten Gerätschaften nachweisen. Der Name des Lawinensuchgeräts Barryvox etwa erinnert an das Bellen des Lawinenhunds Barry. Seit die Wanderausstellung zur «weissen Gefahr» letztes Jahr vom Alpinen Museum in Bern konzipiert wurde, hat die Unesco den hoch entwickelten Umgang der Schweiz mit Lawinengefahr auf ihre Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

«Die weisse Gefahr. Umgang mit Lawinen in der Schweiz» in: Zürich Heimatschutzzentrum in der Villa Patumbah, bis 13. April 2020. www.heimatschutzzentrum.ch

Baden in Baden

Aus den Schneemassen direkt ins 47 Grad warme Badewasser. Noch zwei Jahre soll es dauern, bis Baden mit dem millionenteuren Prestigebau von Mario Botta an die alten luxuriösen Zeiten als Bäderstadt anknüpfen kann, die man eigentlich 1944 in Gestalt des Grand Hôtel von 1873 symbolträchtig in die Luft gesprengt hatte: Statt die oberen Zehntausend zu umgarnen, sollten alle Bevölkerungsschichten zum Baden geladen werden. Dies vermittelt auch die neue Sonderausstellung im direkt an der – aktuell nicht badewarmen – Limmat gelegenen Historischen Museum. Der interaktive Parcours ist als Badebesuch konzipiert. Man lernt viel über Schamgefühle, Körperkult und über Körperreinigung als Wellness, früher Seelen- und Verjüngungskur genannt.

«Badekult: Von der Kur zum Lifestyle» in: Baden Historisches Museum, bis 1. Juni 2020. www.museum.baden.ch

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