Nr. 02/2020 vom 09.01.2020

Wurst vor der Nase

«Quinn Slobodian: ‹Wir erleben die grösste Spaltung im neoliberalen Lager seit Jahrzehnten›», WOZ Nr. 50/2019

Ob Liberalismus, Neoliberalismus, Kapitalismus, freie Marktwirtschaft: All diesen wirtschaftlichen Systemen und Konzepten haftet ein schwerwiegender Mangel an. Sie alle gehen davon aus, dass der Mensch von Natur aus gierig ist, gierig nach Besitz und Geld. Dass er also nur richtig in die Gänge kommt, wenn ihm möglichst viel Geld winkt und er immer mehr und mehr konsumieren kann.

Kurzfristig mag diese Denkweise Erfolg haben, langfristig vergiften der Kapitalismus und alle ihm verwandten Systeme das Zusammenleben auf unserem Planeten und unseren Planeten selber. Darum: Gleicher Lohn für alle. Für ALLE. Vom Unternehmensleiter bis zum Strassenbauarbeiter, von der Krankenschwester bis zur Bundesrätin. Zuoberst steht dabei die Verrichtung notwendiger Arbeiten, die Produktion notwendiger ökologischer Produkte. Der Mehrgewinn nach Abzug von Löhnen und Investitionen geht an die Gemeinschaft. Statt Gier nach Geld also Liebe zum Notwendigen. Als Arbeitszeit stelle ich mir vier bis sechs Stunden vor, je nach Arbeitsanfall. In der übrigen Zeit kann der Mensch tun und lassen, wozu er Lust hat: singen, tanzen, gärtnern, Bücher lesen, philosophieren, politisieren, Sport treiben, sich austauschen, sich treiben lassen, sich selbst erforschen – was auch immer. Gut und Geld als Wurst vor der Nase haben ausgedient und gehören in die Mottenkiste.

William Möritz, Zürich

Klima und Aufrüstung

«European Green Deal: Der Griff nach den Sternen», WOZ Nrn. 51 + 52 / 2019

Einen Strich durch Ursula von der Leyens Rechnung für ein «klimaneutrales Europa» könnte machen, dass Deutschland und viele Länder dieses Kontinents ihre Militärbudgets stark erhöhen wollen und dann nur noch wenig Geld für den Klimaschutz vorhanden sein wird. Deutschland etwa will dreissig Milliarden Euro pro Jahr mehr für das Militär ausgeben.

Und in der Schweiz will unsere beliebte Kriegsministerin Viola Amherd das Militärbudget erhöhen und für Milliarden Kampfjets kaufen. Mit diesen riesigen Rüstungsausgaben könnte der «Green Deal», die «Mondlandung der Europäer», misslingen. Aus dem Pariser Klimaabkommen wurde bekanntlich die Rüstung seinerzeit vorsorglich herausgenommen. Aber eben: Trotz der Klimakatastrophe, oder gerade deswegen, müssen wir weiter unsere Freiheit verteidigen, auch weit hinten in Afghanistan, am Hindukusch, wird gesagt. Auch die Schweiz «muss» weiter Militär ins Ausland schicken, um den Frieden zu sichern, heisst es auch von links. Auch zur Abwehr der Klimaflüchtlinge? Obwohl: Wie Jakob Kellenberger, der Expräsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, vor einigen Jahren in der «SonntagsZeitung» schrieb, ist die humanitäre Hilfe aus öffentlicher Hand schon hundertmal kleiner als die weltweiten Militärausgaben von 1600 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Allein der Wert des grenzüberschreitenden Handels mit konventionellen Waffen erreichte laut Kellenberger etwa das Dreifache der öffentlichen humanitären Hilfe.

Heinrich Frei, Zürich

(Un-)Vernunft

«SP-Präsidium: ‹Die Zeit der Helden ist abgelaufen›», WOZ Nrn. 51 + 52 / 2019

«Die Aufgabe der Sozialdemokratie ist es aufzuzeigen, wie vernünftig unsere Antworten sind», sagt Mattea Meyer. Vernünftig wäre zu sagen: dass wir in einer Klassengesellschaft leben, in der 1 Prozent der Mächtigen/Reichen über die restlichen 99 Prozent bestimmen! Und dass das unvernünftig ist!

Beni Gnos, Allschwil

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