Nr. 03/2020 vom 16.01.2020

Von Silvia SüessMail an AutorIn

Lebendige Stummfilme

Die Filme des 17. Stummfilmfestivals sollen «dazu beitragen, den Begriff ‹Stummfilm› mit reichem, vielfältigem, relevantem und poetischem Leben zu füllen», schreibt Martin Girod auf der Website des Zürcher Filmpodiums. Der frühere Koleiter des Filmpodiums und ehemalige Filmjournalist hat das Festival gegründet – dieses Jahr wird er es zum letzten Mal kuratieren. Zu sehen sind zwanzig Stummfilme, nebst bekannteren Werken wie «The Cameraman» von Buster Keaton gibt es auch Unbekanntes zu entdecken. Und jeder Film wird live vertont.

Stummfilmfestival in: Zürich Filmpodium, bis 15. Februar 2020. www.filmpodium.ch

Theater für die Kleinsten

KulturgängerInnen leben länger. Das belegt eine britische Studie, die kurz vor Weihnachten erschienen ist. Das Forschungsprojekt zeigt auf, dass sich der Besuch von Theatern, Konzerten oder Opern, Museen und Galerien auf die Lebensdauer auswirkt. Ein weiterer Grund also, möglichst viel Kultur zu geniessen und damit möglichst jung anzufangen.

Theater für die ganz Kleinen ermöglicht nun das Prima-Festival, das bis Anfang Februar in sechs verschiedenen Schweizer Ortschaften stattfindet. Zu sehen ist eine grosse Anzahl von Stücken, die für Kinder unter vier Jahren geeignet sind. Da verwandeln sich zum Beispiel Späne und Äste in Figuren («Holzklopfen»), in «Flow» schneit es Mehl, und in «7 kleine blaue Wunder» wird mit blauer Farbe gezaubert. Wer selber keine kleinen Kinder hat, nimmt sein Gottikind, die Enkel oder die Nachbarskinder mit – oder geht ohne Kinder hin.

Prima-Festival in: Aarau, Bern, Brig, Frauenfeld, Schaan und Zürich, bis am 5. Februar 2020. www.prima-festival.ch

Unverständliches

Er wuchs als David Öllerer in einem Wiener Vorort auf und sorgte 2016 als Voodoo Jürgens mit seinem Debütalbum «Ansa Woar» in Österreich für Furore. Die Wiener Stadtzeitung «Falter» schrieb damals: «Die Erwartungen an dieses Album waren hoch. Voodoo Jürgens erfüllt sie nicht, er übertrifft sie.»

In seinen Liedern singt Voodoo Jürgens von Schnaps, vom Tod, von der Gosse, von zwielichtigen Gestalten, und das alles in einem urwienerischen Dialekt, dass man versuchen muss, die Bedeutung der Wörter anhand ihres Klangs zu erraten. Hier ein paar Beispiele: «Schuigstangl», «Hawerer» oder «Stereowatschn» – davon singt der schmächtige Mann mit Schnauz und farbigen Hemden, begleitet von einem rumpelnden Orchester, und gilt, zu Recht, als die grosse Hoffnung des Austropop.  

Voodoo Jürgens in: Zürich Bogen F, Mi, 22. Januar 2020, 21 Uhr (ausverkauft); Basel Kaserne, Do, 23. Januar 2020, 20.30 Uhr; Düdingen Bad Bonn, Fr, 24. Januar 2020, 21.30 Uhr; St. Gallen Palace, Sa, 25. Januar 2020, 21 Uhr. www.voodoojuergens.com

Unausgesprochenes

Die Familie: Die steht immer wieder im Zentrum der Bücher von Pascale Kramer. Die in Paris lebende Schweizerin beleuchtet in ihren Romanen schonungslos die unausgesprochenen Konflikte, die innerhalb von Familienstrukturen existieren, und die Verletzungen, die man jenen antut, denen man am nächsten steht. In ihrem neusten Roman, «Eine Familie», erzählt sie von einer Familie, über der ein Schatten liegt: Die Alkoholsucht eines der Söhne beeinflusst das Leben aller Familienmitglieder. Sie alle sind in ein Netz von Lügen verstrickt, und das ganze Konstrukt der heilen Familie gerät ins Wanken.

Pascale Kramer in: Basel Literaturhaus, Di, 21. Januar 2020, 19 Uhr, Moderation: Peter Burri, Lesung: Claudia Jahn. www.literaturhaus-basel.ch

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