Nr. 07/2020 vom 13.02.2020

Hans ist eben nicht was Heiri

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Kürzlich konnte ich einen Blick ins «Handbuch des guten Vornamens (…) für den weiteren Lebensweg der kleinen Erdenbürgerin beziehungsweise des kleinen Erdenbürgers» werfen, zusammengestellt vom Johanniverein Fislisbach.

Nicht ganz überraschend empfiehlt der Verein unter G–J 54 verschiedene Varianten von Johannes und Johanna. Unter den Buchstabengruppen «A–F» und «K–Z» findet sich der Hinweis: «Die Namen mit diesen Anfangsbuchstaben sind von geringerer Bedeutung und daher nicht empfehlenswert!», was man nicht persönlich nehmen sollte, auch wenn man Anastasia oder Zacharias heisst.

Dabei haben alle Vornamen eine wichtige Bedeutung: Ganze Generationen kann man an ihnen erkennen; bekanntestes Beispiel sind die Kohorten von Kevins, die in den neunziger Jahren in die Schule kamen. Auch TrickbetrügerInnen nutzen diese Zuordnungsmöglichkeit: Falsche Verwandte und ScheinpolizistInnen suchen im Telefonbuch nach Personen mit «altmodischen» Vornamen, um Geld von ihnen zu ergaunern. Laut dem «Tages-Anzeiger» liegen Hans und Elisabeth derzeit vorne, gefolgt von Walter, Kurt, Maria oder Margrith.

Wie die Schweiz registriert auch Deutschland eine steigende Zahl von Verletzungen durch Messerangriffe. Deshalb verlangte letztes Jahr ein AfD-Politiker im Saarland eine Aufschlüsselung nach Tätervornamen von der Regierung. Das Ergebnis dürfte ihn enttäuscht haben: Laut Statistik hiessen saarländische Messerstecher zwischen 2017 und 2018 am häufigsten Michael, Daniel und Andreas, und auch danach folgen hauptsächlich «deutsche» Vornamen.

Wie viele «Frauen im gebärfähigen Alter» in Sachsen leben und welche Nationalität sie haben, wollte kürzlich ein anderer AfD-Abgeordneter wissen. Vornamen interessierten ihn gar nicht erst. Offenbar arbeitet der Mann am AfD-Parteiprogrammpunkt «höhere Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung». Vermutlich denkt man in der Partei schon wieder an einem neuen «Ehrenkreuz der Deutschen Mutter» herum.*

* Korrigendum vom 13. Februar 2020: In der Printversion sowie in der alten Onlineversion gingen in diesem Abschnitt versehentlich zwei Sätze verloren.

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