Nr. 07/2020 vom 13.02.2020

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Umtriebige

«Die Verantwortlichen bitten die Anwohner und Verkehrsteilnehmenden für die mit den Baumassnahmen verbundenen Annehmlichkeiten um Verständnis», meldete die «Kreuzlinger Zeitung». Dahinter steckt wohl der mehr oder weniger unbewusste Gedanke, dass Baustellen stets ein Segen sind. Sollen die Betroffenen nicht immer motzen, und wenn trotzdem, dann nicht glotzen.
Jürg Fischer

Planvolle

«Thüringen stürzt Bürgerliche ins Chaos», titelte die NZZ – andere hätten vielleicht gesagt: «Bürgerliche stürzen Thüringen ins Chaos». Möglicherweise gibt es also auch ein Chaos bei der Logik. Doch hinter jedem Chaos steckt ein grosser Weltenplan und der besagt, dass (nicht nur) Thüringen dereinst auch ohne Bürgerliche bestehen wird.
Jürg Fischer

Gecheckte

«Aufgeputscht von der Stimmung gingen die Jurassier ihren Gegenspielern unter die Haut», hiess es im Matchbericht der «Thurgauer Zeitung» vom Eishockey-Cupfinal, den der unterklassige Klub Ajoie gegen den HC Davos mit 7 : 3 gewann. Wären wir Davos, zögen wir nachträglich eine Klage in Betracht über diese unfairen jurassischen Methoden – wenn wir schon nicht auf dem Feld gewinnen können.
Jürg Fischer

Nutzlose

Anlässlich der Turbulenzen bei der Credit Suisse bemerkte der SRF-Wirtschaftsredaktor in der «Tagesschau» zum Vorgehen des Verwaltungsratspräsidenten der Bank: «Er spielt keine rühmliche Rolle, er hat erst jetzt getan, was schon längst überflüssig war.» Das ist eben dieses sogenannte Nice-to-have: Auf höchster Ebene wird nur noch komplett Unnötiges durchgesetzt.
Karin Hoffsten

Abgestimmte I

Kurz nachdem der Zürcher Rosengartentunnel abgelehnt worden war, wollte Stadtrat Richard Wolff noch nicht verraten, welche Lösungen ihm nun vorschwebten: «Dafür es sei zu früh», hiess es im «Tages-Anzeiger». Dass dabei offenbar auch die Expertise und Macht von Meister Yoda einbezogen werden, freut uns.
Karin Hoffsten

Abgestimmte II

Die Annahme der erweiterten Anti-Rassismus-Strafnorm gefällt der Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog nicht. Im «Sonntalk» auf Tele Züri betonte sie: «Au niemert vo dene Bürgerinne und Bürger, wo nei gstumme hät, isch gege Diskriminierig und Hass – im Gägeteil, d’Mänschewürde isch eus allne ganz wichtig!» Genau das haben wir schon immer geahnt.
Karin Hoffsten

Zugeordnete

Im «wobei», der Beilage zur WOZ, stellte unser Kollege mit «Truffaut oder Godard?» und «digital oder analog?» zwei Fragen, die er zu Gretchenfragen erklärte. Darauf schrieb uns Leser W., sein Einwand sei zwar bildungsbürgerlich, aber Goethes Gretchen habe nun mal den Faust nicht nach Alternativen gefragt, sondern einfach nur: «Wie hast dus mit der Religion?» Da hat Herr W. natürlich recht. Im Zuge aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen könnten wir uns übrigens auch eine ganz neue Variante der Gretchenfrage vorstellen. Greta Thunbergs häufig zitiertes «How dare you?» wäre doch eine hervorragende Weiterentwicklung im klassischen Kanon.
Karin Hoffsten

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