Nr. 09/2020 vom 27.02.2020

Ach, diese Regulierungen!

Von David Hunziker

Ein Besuch von der kantonalen Gebäudeversicherung hat gereicht, und die traurige Tatsache war besiegelt. Letzte Woche wurde bekannt, dass das Kulturlokal Coq d’Or hinter dem Bahnhof Olten seinen Konzertkeller per sofort schliessen muss. Es bräuchte einen zusätzlichen Notausgang, damit der Keller wieder genug Gäste aufnehmen dürfte, und das würde sehr viel Geld kosten. Mit dem Konzertkeller verliert das Coq d’Or auf einen Schlag sein Herzstück. Nicht das kommerzielle natürlich, das Kulturprogramm wurde stets durch den Barbetrieb querfinanziert, aber das kulturelle. Und Olten verliert eine Konzertbühne, die in der Kleinstadt vor allem für die Jungen wichtig war und für deren Programm man gerne auch aus Zürich angereist ist.

Es ist rührend, was man die letzten Tage beobachten konnte: Unter dem Facebook-Post mit der traurigen Nachricht sammelten sich Hunderte von weinenden Emojis, bestürzte Kommentare aus der Kulturbranche und Angebote, wo die bereits gebuchten Konzerte stattfinden könnten. Das Coq ist eben nicht nur ein Gastro- und Kulturbetrieb, sondern auch ein Symbol für trotzigen Idealismus und für Kultur von grossstädtischer Relevanz in der Kleinstadt. Die Coq-Crew bemüht sich derweil emsig, die anstehenden Konzerte an andere Orte zu verlegen, was in den meisten Fällen auch gelingt. Doch man hätte ihnen diese Situation nicht gewünscht; erst im vergangenen Mai hat das Coq in einem Crowdfunding über 60 000 Franken für dringende Umbauarbeiten gesammelt.

Natürlich, die tatsächliche Sicherheitslage im Keller ist von hier aus schwer einzuschätzen, aber wir sind trotzdem auch etwas sauer. Regulierungen sind ja grundsätzlich eine gute Sache, und Notausgänge gibt es zum Schutz der Bevölkerung. Doch gerade im Fall von nichtkommerzieller Kultur, die sich aus Geldnot in rechtlichen Grauzonen bewegt, wünscht man sich manchmal etwas weniger sozialdemokratische Konsequenz.

Am Freitag läuft im Coq das apokalyptische Programm zur Lage: psychotische Lyrik von Jessica Jurassica und Kitsch-Trap von DAIF.

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