Nr. 12/2020 vom 19.03.2020

Google und das Virus

Von Susan Boos

Die Firma Verily war bis vor kurzem kaum jemandem bekannt. Dank des Coronavirus setzt das Unternehmen aber gerade zu einem Höhenflug an. Verily ist eine Tochterfirma von Alphabet Inc. – und das wiederum ist die Dachgesellschaft von Google. Früher hiess Verily denn auch Google Life Science. Am vergangenen Freitag stellte sich US-Präsident Donald Trump vor die Presse und verkündete stolz, Google werde bald das ganze Land mit einem Coronavirustest versorgen. Trumps Covid-19-Koordinatorin erklärte mithilfe eines Plakats, wie das geht: Auf einer Website werden einem diverse Fragen gestellt. Wenn man typische Covid-19-Symptome hat, wird man an die nächste Drive-through-Teststelle geschickt. Nach einigen Tagen erhält man das Ergebnis per Mail zugeschickt. Trump sagte noch, 1700 Google-Ingenieure würden im Moment an dem Testsystem arbeiten.

Alphabet Inc. wusste zu jenem Zeitpunkt überhaupt nicht, dass Trump dem Konzern die Rolle zuwies, das Land auf den Coronavirus zu testen. Der Test wird im Moment erst in der Gegend um San Francisco angeboten. Verily arbeitet jedoch unter Hochdruck daran, bald das ganze Land abzudecken.

Um den Test machen zu können, muss man aber ein Google-Konto besitzen respektive einrichten. Verily schreibt, die gesammelten Daten würden «nicht ohne explizite Zustimmung» mit anderen Google-Daten verknüpft. Auch würden «die gesammelten Informationen nicht für Werbung genutzt». Das beruhigt allerdings wenig. Die «New York Times» kritisiert, dass der Test überhaupt mit dem Google-Konto verknüpft wird, weil das diverse Leute davon abhalten dürfte, vom Angebot Gebrauch zu machen. In Kanada existiert ein ähnliches Tool, das aber von der Gesundheitsbehörde angeboten wird und keine Daten erhebt.

Google steht zurzeit auch unter Beschuss, weil der Techgigant mit einer der grössten US-Spitalfirmen einen Deal abgeschlossen hatte, der ihm Zugang zu Millionen von Medizinaldaten gewährte, ohne dass die PatientInnen davon wussten. Mit Covid-19 ist das viel einfacher. Die Leute fürchten sich und geben ihre Daten freiwillig, weil die Regierung keine Alternative bietet.

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