Nr. 13/2020 vom 26.03.2020

Wahr oder falsch?

Von Karin Hoffsten

«Das kam aus überaus vertrauenswürdiger Quelle», schrieb eine Freundin, nachdem sie einen sogenannten Hoax weiterverbreitet hatte, wie derzeit viele kursieren: Alle warnen – deine Festplatte schmilzt, dein Handy explodiert, sobald du das und das tust –, und alles muss man sofort «an alle weiterleiten!», was darauf hinweist, dass man genau das nicht tun sollte.

Aber wir sitzen jetzt halt auch alle zu Hause rum, sind dabei hellwach und tauschen Filmchen mit lustigen und dramatischen Sachen – da können selbst die Vertrauenswürdigsten unter uns ein bisschen gaga werden. So war zum Beispiel das, was ich letzte Woche hier beschrieb, auch ein Fake oder – je nach Lesart – Kunst: Das Video, in dem lautstarke Drohungen durch einen deutschen Hinterhof schallen, stammt vom Youtuber Freshtorge. Offenbar traf er den Ton so gut, dass nicht nur ich das Ganze für echt hielt. Sollte sich jemand durch die Darstellung deutscher Mentalität verletzt gefühlt haben, bitte ich um Nachsicht: Ich lebe schon sehr lange zwischen Zürcher Hinterhöfen.

Dann verbreitete sich das Video einer jungen Ärztin aus Basel. Die sagte, im Gegensatz zu diesem Dr. Wodarg (vgl. «Bitte weiterhin denken!»), nur Dinge, die stimmen, und rechnete exponentiell vor, wo wir enden, wenn wir nicht sofort die offiziellen Empfehlungen befolgen. Das brachte sie mit so vielen «gopferdammi» dazwischen vor, dass es auch nachlässigeren Naturen in die Glieder fuhr.

Prompt hiess es, das Video müsse ein Fake sein – so grob und primitiv, wie die rede, könne sie keine Ärztin sein. Aber sie ist eine – und noch dazu sympathisch! Auf telebasel.ch konnte sie inzwischen ihre Emotionen erklären.

Videos will sie vorerst nicht mehr ins Internet stellen.

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