Nr. 23/2020 vom 04.06.2020

Klar im Kopf

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Dass ich hier kürzlich Zweifel am Verstand der Generation Instagram äusserte, war vielleicht ein bisschen vorschnell. Denn heute will ich Rezo preisen, der zur selben Generation gehört.

Der deutsche Jungunternehmer produziert Webvideos mit Musik und Unterhaltung für seinen Youtube-Kanal; weit über seine Community hinaus bekannt wurde er vor der Europawahl mit seinem einstündigen Video «Die Zerstörung der CDU». Die zerstörte er zwar nicht, doch ihre Politik kritisierte er im Schnellzugstempo so detailliert, dass nicht nur Annegret Kramp-Karrenbauer in helle Aufregung geriet.

Das Video schauten sich Millionen an, der Schnellredner mit den blauen Haaren erhielt diverse Preise und nahm ab da am politischen Diskurs teil. Durch seinen neuen Promistatus gerieten aber auch alberne Videos, in denen er mit seinem Kumpel sexistische Sprüche klopft, in die öffentliche Kritik.

Jetzt hat Rezo wieder ein einstündiges Video produziert, «Die Zerstörung der Presse», laut netzpolitik.org «eine Liebeserklärung an guten und transparenten Journalismus. Verschwörungsideologen und einige grosse Medienhäuser bekommen in diesem einstündigen Journalismusgrundkurs gleichermassen ihr Fett weg.» Ich habs mir angeschaut und finde den Gedanken, dass da Millionen junger Leute vielleicht auch was draus lernen, geradezu beglückend.

Natürlich erntet Rezo auch dafür Kritik, zum Beispiel von Tamara Wernli, die ihm eine tendenziöse Verwendung von Beispielen vorwirft. Die «Weltwoche»-Kolumnistin und «Jeanne d’Arc der politisch Unkorrekten» (NZZ) gilt als Koryphäe auf dem Gebiet journalistischer Ethik.

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