Nr. 28/2020 vom 09.07.2020

Goldgrube Gesundheitsdaten

Von Florian Wüstholz

Unsere Gesundheitsdaten sind Gold wert, das beweist Google einmal mehr. Letzten November kündigte der Internetkonzern an, den Fitnessuhrenhersteller Fitbit für 2,1 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen. Bereits seit längerer Zeit versucht Google, in den Gesundheitsmarkt vorzudringen, unter anderem mit der Entwicklung eines eigenen Betriebssystems für Smartwatches oder durch die Zusammenarbeit mit Kliniken und Krankenversicherungen. Mit den Uhren von Fitbit bekäme Google intime Einblicke ins tägliche Leben von Millionen von Menschen: dank Pulsdaten, Schlafrhythmen, Schrittzählern und mehr.

Nun regt sich jedoch Widerstand gegen die Übernahme. So untersucht die EU-Wettbewerbskommission, ob der Deal den Markt verzerren würde. Gleichzeitig warnen zwanzig Datenschutzorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung, dass Google mit der Übernahme die ohnehin dominante Stellung im Bereich der Onlinewerbung weiter ausbauen könnte. «Zudem könnte Google die Daten von Fitbit dafür verwenden, um eine führende Position in digitalen Gesundheitsmärkten zu etablieren», schreiben sie. Das hätte insbesondere auch negative Konsequenzen für den Schutz unserer privaten Gesundheitsdaten.

Doch Google und Fitbit beschwichtigen: Man werde die Daten der Fitnessuhren nicht für personalisierte Werbung verwenden. Und ohnehin ginge es beim Deal «nicht um Daten, sondern um Geräte». Das sei wenig überzeugend, findet die Datenschutzorganisation Privacy International. Die geplante Übernahme sei ein weiterer Schritt im Zuge der Strategie, möglichst viele unterschiedliche Daten über uns zu vereinen und für Profitzwecke zu nutzen. Denn mehr sensible Daten ermöglichten gleichzeitig auch ein immer individuelleres und umfassenderes Profiling. «Egal, ob wir Fitbit-Nutzer sind oder nicht, wir müssen alle innehalten und über die weitreichenden Folgen dieser Übernahme nachdenken», sagt Ioannis Kouvakas von Privacy International. «Wir dürfen nicht zulassen, dass Big Tech wieder einmal unser Wohlergehen auf dem Altar des Konzernprofits opfert!» Bis zum 20. Juli will die EU-Kommission einen ersten Entscheid fällen, ob sie den Deal erlaubt oder nicht.

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