Nr. 29/2020 vom 16.07.2020

Von Florian KellerMail an AutorIn

Baldwin in Biel

Zeitweise war das echt frustrierend. So wie namentlich die «Arena» des Schweizer Fernsehens über Rassismus debattieren wollte, drängte sich schon die Frage auf: Muss man eigentlich immer wieder bei null anfangen? Muss man nicht, so zeigte dann die Diskussion im «Club». Und das Westschweizer Fernsehen hat vor einigen Jahren ja sogar einen Dokumentarfilm koproduziert, der schon jetzt unverzichtbar ist für den globalen Diskurs zum Thema: «I Am Not Your Negro» (2016), Raoul Pecks Essay über James Baldwin und dessen bestechende Analysen des systemischen Rassismus nicht nur in den Vereinigten Staaten.

Spätestens seit den Protesten nach dem Mord an George Floyd ist «I Am Not Your Negro» – leider – erst recht wieder der Film der Stunde. Pecks dokumentarische Collage läuft jetzt im Open-Air-Kino des Filmpodiums in Biel. Was erstens ein besonders stimmiger Rahmen ist, weil in Biel gerade ein gewichtiges Kapitel «Black History» in der Schweiz erschienen ist, mit dem Buch «I Will Be Different Every Time» über Schwarze Frauen in Biel. Und zweitens ist «I Am Not Your Negro» ein Film, der in jeder Hinsicht den Blick für die Verhältnisse schärft. Müsste eigentlich Pflichtstoff an den Schulen sein – und auf jeder Redaktion sowieso.

«I Am Not Your Negro» in: Biel Filmpodium, So, 19. Juli 2020, 21.30 Uhr (bei schlechter Witterung im Saal). Weiteres Programm: www.filmpodiumbiel.ch.

Florian Keller

Odyssee im Stadtraum

Eine Brücke, die klingt, wenn wir sie überqueren. Eine Halskette aus Autopneus, die sich um eine Strassenlaterne schmiegen. Oder ein entwurzelter Baum, irgendwo zwischen Rammbock und überdimensionierter Flöte. Das sind nur drei von zwanzig ortsspezifischen Interventionen, die über den Sommer hinaus in Solothurn zu entdecken und erkunden sind. «Zart» heisst die Gruppenschau mit Kunst im Stadtraum und in öffentlichen Gebäuden, darunter die klingende Brücke von Christian Fürholz, das Pneucollier von Delphine Reist und der ausgehöhlte Baum von Sonja Feldmeier.

«Zart» in: Solothurn Diverse Orte. Die Kunstwerke auf öffentlichen Plätzen sind jederzeit zugänglich. Öffnungszeiten für die Gebäude: Di–Sa, 10–17 Uhr, So, 14–17 Uhr. Bis 26. September 2020. Weitere Informationen: www.zart2020.ch.

Florian Keller

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