Nr. 34/2020 vom 20.08.2020

Ausweitung der Geschäftszone

Von David Hunziker

Auch der genialste Unternehmer kann die Zukunft nicht vorhersehen, aber er hat ein Gespür für die Dynamik der Nachfrage, das Auf und Ab der Profitraten. Den unternehmerisch Unbedarften musste es noch wie ein Bubenstreich vorkommen, als Gölä und Trauffer, die erfolgreichsten Mundartmusiker des Landes, 2019 den Firmenzweck ihrer Büetzer Buebe AG im Handelsregister eintragen liessen. Dort werden nicht nur die Durchführung von Konzerten und der Vertrieb von Tonträgern und Merchandisingartikeln erwähnt, sondern auch «der Erwerb von Wald und der Handel mit Holzrechten sowie die Herstellung und der Verkauf von Baumaschinen».

Diese Ausweitung der Geschäftszone ist nun nicht ganz so kraftmeierisch ausgefallen, dafür aber genauso männlich und am Büetzer orientiert: Beim Fleischwarenproduzenten Bigler gibts ab sofort Büetzer-Biersteak oder, angelehnt ans Arbeiter-Cordon-bleu, einen Klassiker der proletarischen Schweizer Küche, die Büetzer-Chäswurst.

Der Grund für die unternehmerische Volte ist klar: Corona hat den Büetzer Buebe mächtig das Geschäft vermiest. Diesen Sommer hätten sie zwei ausverkaufte Konzerte im Zürcher Letzigrundstadion gespielt und dafür Millionen kassiert; ob diese nächstes Jahr stattfinden können, steht in den Sternen. Das Netzwerk an Partnerfirmen, das die Büetzer Buebe AG nun anzapfen kann, wurde von den SVP-nahen Unternehmern und Lobbyisten Thomas Bähler und Fabian Frauenfelder eingefädelt. Wer Kapital und mächtige Buddys hat, kann auf dem Markt nicht untergehen.

Jetzt kann man sich fragen: Sind Steaks und Würste noch kreatives Merchandising? Oder ist «Büetzer Buebe» gar ein neuartiges Label für Bauarbeiternahrung, mit genügend Kalorien für einen Tag? Was sich sagen lässt: Die Idee, 08/15-Fleischwaren zu vertreiben, ist unglaublich mutlos. Wieso nicht mal direkt und unverblümt den Platzhirsch markieren – hier ist er, das männlichste Produkt in deinem Supermarkt: der Büetzer-Buebe-Stierhoden!

Eigentlich keine Überraschung: Bekanntlich ist zu wirklich radikalen Ergebnissen nur subventionierte Kultur fähig.

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