Nr. 38/2020 vom 17.09.2020

Glasfaser statt Mobilfunk

Von Susan Boos

Wie sieht eine klimafreundliche Digitalisierung aus? Das deutsche Umweltbundesamt liefert konkrete Empfehlungen zur «Energie- und Ressourceneffizienz digitaler Infrastrukturen». Zum Beispiel im Bereich Kommunikation: Am besten geht man über das Festnetz online. Glasfaser ist am umweltfreundlichsten. Haushalte sollten deshalb nicht über Mobilfunk erschlossen werden.

Wer über das Glasfaserkabel online einen Film schaut, verursacht pro Stunde zwei Gramm Treibhausgasemissionen, schreibt das Bundesamt. Schaut man ihn über das alte 3G-Mobilfunknetz, werden fast fünfzigmal mehr Treibhausgase freigesetzt. Das neue, umstrittene Mobilfunksystem 5G schneidet hingegen – mit fünf Gramm pro Stunde – gut ab. Deshalb plädiert das Umweltamt dafür, dass die alten Mobilfunksysteme hochgerüstet werden. Es fordert aber explizit, dass auf «redundante Mobilfunknetze» verzichtet wird: «Wenn Mobilfunkbetreiber Standorte und Equipment gemeinsam nutzen, spart das Energie und Ressourcen, weil Technik nicht doppelt bereitgestellt und betrieben werden muss.»

In der Schweiz sind es drei Anbieter (Swisscom, Sunrise, Salt), die momentan parallel ihre Netze ausbauen. Klimafreundlich wäre, sie würden es gemeinsam tun.

Das deutsche Amt kritisiert auch, dass Mobilfunkanbieter falsche Anreize schaffen. Oft bieten sie günstige Datenflatrates an. Was dazu führt, dass die Leute über einen Messenger quasi gratis mit Video telefonieren, statt einfach nur zu telefonieren. Bei der Videotelefonie werden fünfmal mehr Daten übertragen, was den Treibhausgasausstoss entsprechend erhöht.

In der Schweiz ist die Debatte noch nicht sehr weit. Ende vergangener Woche hat der Bund seine aktualisierte Strategie «Digitale Schweiz» vorgestellt. Unter dem Stichwort «Umweltschutz» steht: Das Bundesamt für Umwelt wird «bis Ende 2021 aufzeigen, wie sich die Grundlagen für die Berechnung von Ökobilanzen» verbessern lassen. Konkreteres gibt es da nicht. Und Ende 2021 werden die parallelen 5G-Netze bereits gebaut sein. Der Ausbau des Glasfasernetzes ausserhalb der Zentren kommt hingegen nicht voran, wie der Breitbandatlas des Bundesamtes für Kommunikation dokumentiert.

www.umweltbundesamt.de/publikationen, www.digitalerdialog.ch/de

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