Nr. 48/2020 vom 26.11.2020

Unser Weg geht, aber wer geht drauf?

Von Florian KellerMail an AutorIn

Kommunikation ist Glückssache, heisst es. Wenn aber die Profis von der Zürcher Kommunikationsagentur Rod, die im Auftrag des Bundesrats die nationale Kampagne gegen Corona begleiten, am Werk sind, dann darf man davon ausgehen: Denen passiert das nicht einfach so, da steckt gnadenloses Kalkül dahinter.

Etwa als Exbundesrat Blocher sein Ruhegehalt über 1,1 Millionen Franken zugesprochen bekam. Eine Woche später folgte von Rod ein neuer Infospot zu den Coronamassnahmen: «Der Bundesrat sind wir alle». Man wollte so die drohende Kluft zwischen Bevölkerung und Regierung im Kampf gegen die Pandemie schliessen, gleiches Boot, gleicher Strick und so. Stattdessen setzte es Entrüstung an allen Fronten – auch ich gab damals mit sofortiger Wirkung meinen Rücktritt als Bundesrat, wobei ich natürlich noch ewig auf meine Millionenrente warten kann. Anders gesagt: Ein unerhört doppelbödiger Spot war das, wie er an die Bevölkerung appellierte und mit dem Titel zugleich unsere Wut über die Blocher-Million triggerte.

Ähnlich subversiv funktioniert jetzt auch der neuste, etwas schiefe Coronaslogan, den die Agentur dem Bund untergejubelt hat: «Unser Weg geht». Das Netz hatte natürlich sofort die passenden Pointen dazu parat; man musste den Satz bloss sachgerecht vervollständigen: «Unser Weg geht … zum Friedhof» oder «Unser Weg geht … über Leichen».

Makaber? Mag ja sein, aber die Häme gegen die Kommunikationsprofis ist völlig fehl am Platz. Brillant an diesem Slogan ist ja, dass er die Pandemiepolitik der Schweiz so bestechend ehrlich auf den Punkt bringt. «Unser Weg geht», das signalisiert: Wir glauben zwar selber nicht so recht daran, dass wir auf dem guten Weg sind, aber Economiesuisse hat uns mal gesagt, wie es vielleicht ungefähr so halbwegs gehen könnte – eine genial halbbatzige Formel für die Politik des Händeringens und des Flickenteppichs. Wer den Bundesrat so elegant ins Messer laufen lässt, ohne dass dieser etwas merkt, ist definitiv sein Geld wert.

Nächste Stufe dann: «Sparen Sie sich die Kosten für Exit! Buchen Sie noch heute Ihr Bett im Altersheim.»

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