Nr. 49/2020 vom 03.12.2020

Von Dominik Schmid

Mensch und Pilz

«Warum sind ausgerechnet meine Symbiosen mit Menschen illegal?», fragt ein Pilz. Und was hat die illegale Pharmaforschung in Münsterlingen während der fünfziger Jahre mit Michel Foucault zu tun? Gute Fragen. Immer wieder wurde das therapeutische Potenzial von psychoaktiven Substanzen untersucht, teils heimlich durch die CIA, teils in Studien von Pharmakonzernen, die allerdings bald verboten wurden. In letzter Zeit flammt die Forschung wieder auf – eine Trendwende, die das musikalisch-performative Projekt «Der Pilz im Patent» zum Anlass nimmt, um über die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Substanzen und Psyche nachzudenken. Teils rollstuhlfahrende DarstellerInnen agieren neben historisch-dokumentarischen Videos und Neuer Musik, um für «neue Einsichten in vernetzte Lebensweisen» zu plädieren.

«Der Pilz im Patent – Verstimmung, Klinik, LSD» in: Zürich Kunstraum Walcheturm. Von Jörg Köppl / ensemble metanoia, Tim Zulauf und Léo Collin. Do–Sa, 3.–5. Dezember 2020, jeweils 20.30 Uhr. www.walcheturm.ch

Mensch und Tier

Vor zwei Jahren sinnierte der essayistische Filmemacher Peter Mettler in «Becoming Animal» über das komplexe Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Geht man nach dem Titel, ist Irina Lorez in ihrer Tanzproduktion «Being Animal» bereits einen Schritt weiter. Am Beispiel von grossen und kleinen Katzen erkundet sie «performativ-ästhetisch und tänzerisch-physisch» jene faszinierende gegenseitige Zugehörigkeit. Denn es wird, so die Kulturwissenschaftlerin Jessica Ullrich, «der Mensch erst vollends menschlich, wenn er sich auf das Animalische in ihm besinnt».

«Being Animal» in: Kriens Südpol. Von Irina Lorez & Co. Do–Sa, 3.–5. Dezember 2020, jeweils 20 Uhr. www.sudpol.ch

Mensch und Gerechtigkeit

Wegen der vielen Kinoschliessungen fehlt momentan ein wichtiger Ort, um über gesellschaftliche Fragen nachzudenken, die auch während der Pandemie nichts an Relevanz verlieren. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die sechste Ausgabe des Human Rights Film Festival Zürich dieses Jahr stattfinden kann. Im Kino Kosmos werden während einer Woche Filme gezeigt, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Menschenrechte auseinandersetzen, wobei das Programm unter anderem Filme aus Bulgarien, Brasilien, Bangladesch und der Ukraine umfasst. Zudem moderiert WOZ-Redaktorin Noëmi Landolt am Samstag, 5. Dezember, anhand der sehr sehenswerten Dokumentation «Lovemobil» eine Diskussion über die Situation der Sexarbeit in der Schweiz.

«Human Rights Film Festival» in: Zürich Kino Kosmos, Do–Di, 3.–8. Dezember 2020. www.humanrightsfilmfestival.ch

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