Nr. 02/2021 vom 14.01.2021

Schiefe Vergleiche im Sonderangebot!

Von Florian KellerMail an AutorIn

Nach grossen Ereignissen schlägt zuverlässig die Stunde der schiefen Vergleiche. Auch jetzt, nach dem Sturm aufs Kapitol, hatte manche Geistesgrösse ihre Vergleiche schon gezogen, bevor sie auch nur halbwegs zu Ende gedacht waren. Allen voran Christian Wasserfallen, ewige Nachwuchshoffnung der FDP, der eine schreiende Ungerechtigkeit in der öffentlichen Beurteilung erkannt haben wollte: Warum sind Linke und Grüne empört, wenn ein amtierender Präsident seine gewaltbereite Fangemeinde dazu anstiftet, das Parlamentsgebäude zu belagern, aber wenn die Klimajugend unter dem Vorwand einer friedlichen «Demonstration» den Platz vor dem Bundeshaus besetzt, klatschen sie Beifall? Total scheinheilig!

Keine Frage, der Freisinn war gedanklich schon wacher. Weniger schmalbrüstig tönte es naturgemäss bei einem echten politischen Schwergewicht: Arnold Schwarzenegger. In einer Videoansprache, für die er auch von eigentlich vernünftigen Linken gefeiert wurde, gab der Exgouverneur in markigen Worten den Republikaner mit Rückgrat. Weil er dabei auch von den gebrochenen Vätern seiner Kindheit erzählte und Donald Trump zum «schlechtesten Präsidenten aller Zeiten» degradierte, liess man ihm noch den gröbsten Unfug durchgehen: Der Sturm aufs Kapitol sei die «Kristallnacht» der US-Demokratie gewesen, hob er an – hier wie dort habe es Scherben gegeben.

Für seine grosse staatspolitische Lektion griff der Terminator dann zum Schwert aus «Conan der Barbar». Die Demokratie, so metaphorisierte er, sei wie dieses Schwert: Je heisser und härter man sie schmiede, desto stärker werde sie. Klar, die Rede war nicht für pazifistische Feingeister bestimmt, sondern für Trumps Fankurve – dort sitzt das Publikum, dem der Patriot Schwarzenegger hier ins Gewissen reden will. Aber wer mit dem Requisit aus einem Trashfilm argumentiert, bricht nicht mit der Trump-Ära, sondern verlängert sie nur mit anderen Mitteln. Und wer mit der Waffe in der Hand die Demokratie erklären will, ist nicht Teil der Lösung. Sondern Teil des Problems.

Wenn schon schief vergleichen, dann bitte richtig! Wie Milo Rau, der den Sturm aufs Kapitol als «Ausverkaufsgedrängel» umschrieb.

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