Nr. 04/2021 vom 28.01.2021

Rechte Verflechtungen

Von Sebastian Friedrich

Auf den Aufstieg der AfD folgte eine Welle des rechten Terrors in Deutschland. Allein seit dem Sommer 2016 sind fast dreissig Menschen rechten Anschlägen zum Opfer gefallen. Auf Worte können Taten folgen, war nach den Anschlägen häufig zu hören. Doch wie genau gestaltet sich der Zusammenhang zwischen in der Bevölkerung vorhandenen Einstellungen, Parteienrhetorik und rechtem Terror?

Im Buch «Rechte Bedrohungsallianzen» gehen Wilhelm Heitmeyer, Manuela Freiheit und Peter Sitzer von einem «konzentrischen Eskalationsmodell» aus – ein Wortungetüm, allerdings ein präzises und erkenntnisförderndes. Demnach bilden Ideologien der Ungleichwertigkeit den Legitimationsfundus für AfD, Pegida und Co. Vorhandene Einstellungen werden so verstärkt, zugleich wird eine Legitimationsgrundlage geschaffen für Neonazis und andere extrem rechte Bewegungen. Von dort ist der Weg nicht mehr weit zum rechtsextremen Terror, der auf die Vernichtung der als ungleichwertig markierten Personen abzielt.

Die AutorInnen argumentieren mit einer Fülle empirischer Studien, das Buch liest sich stellenweise wie eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in Deutschland. Das dürfte vor allem an Heitmeyer liegen, der jahrzehntelang zu rechten Einstellungen in der Bevölkerung geforscht hat. Lange vor der Gründung der AfD hatte er immer wieder vor dem Wählerpotenzial für eine rechtsradikale Partei gewarnt. Oft wurde ihm Alarmismus vorgeworfen.

Die AutorInnen untersuchen auch den sozialen Hintergrund des Aufstiegs der Rechten: Der Verlust ökonomischer Sicherheiten und die Prekarisierung tragen zu Orientierungslosigkeit und gesellschaftlicher Desintegration bei. Die Studie belegt, dass das rechte Projekt neben Parteien auch Türöffner aus dem Establishment, Intellektuelle, Bewegungen auf der Strasse – und eben militante Rechte umfasst. Nach der Lektüre lässt sich besser nachvollziehen, wie diese Ebenen miteinander verflochten sind.

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