Nr. 05/2021 vom 04.02.2021

Vermischtes: Unterm Tisch und unter der Erde

Von Florian KellerMail an AutorIn

«Der ganz grosse Teil sind über 80-Jährige», sagte SVP-Bundesrat Ueli Maurer im letzten November. Und: «Für mich stimmt dieser Weg.» Was erst jetzt bekannt wurde: Schlitzohr Maurer bediente sich hier eines geflügelten Wortes, das offenbar auch Piloten der Ju-52 geläufig ist: «Für mich stimmt dieser Weg.»

Stopp. Vergessen Sie das. Total schief und unter jeder Würde, dieser Vergleich zwischen der Coronapandemie und der Unglücksmaschine der Ju-Air, die im August 2018 am Piz Segnas abstürzte.

Abgesehen davon, dass man Todesopfer, gleich welchen Alters, unter keinen Umständen gegeneinander aufrechnen soll: Wenn zwanzig mehrheitlich pensionierte Menschen beim Absturz eines historischen Flugzeugs, liebevoll auch «Tante Ju» genannt, in den Tod gerissen werden, ist das etwas völlig anderes, als wenn Tausende mehrheitlich pensionierte Menschen während einer Pandemie, liebevoll auch «Grippewelle» genannt, dahingerafft werden. Im einen Fall werden sie von einem Frachtflugzeug der deutschen Luftwaffe, das die Schweiz längst als fliegendes Nationalheiligtum folklorisiert hat, in den Tod gerissen; im anderen sterben sie an einer kommunistischen Biowaffe, dies aber immerhin im Rahmen einer konkordanzdemokratischen Güterabwägung.

Von der Übersterblichkeit zum Übermenschen: Als unbeugsamer Marathon Man zeigt sich Markus Schlagenhof, der Chefunterhändler, der im Auftrag des Bundesrats das Freihandelsabkommen mit Indonesien ausgehandelt hat, über das die Schweiz am 7. März abstimmt. Wie er das geschafft hat? Nur deshalb, so verriet Schlagenhof dem «Tages-Anzeiger», weil er auf Bali dank Powernap auch nach Mitternacht nicht schlappgemacht habe in der Krisensitzung: «Die Leute fielen vor Erschöpfung fast unter den Tisch. Doch ich merkte: Das ist für uns Schweizer die Sternstunde!»

Aussitzen, bis alle unterm Tisch liegen: Besser kann man das Strategiespiel namens «Schweizer Politik» derzeit nicht auf den Punkt bringen.

Wer die Berichte der WOZ zum Freihandelsabkommen gelesen hat, weiss: Wenns nach uns ginge, dürfte Herr Schlagenhof gern früh zu Bett.

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