Nr. 13/2021 vom 01.04.2021

Mit KandidatInnen tindern

Von Florian Wüstholz

Vor einem Jahr lancierten der Verein Opendata.ch und die Stiftung Mercator Schweiz den Prototype Fund. Die Idee: Mit digitalen Tools soll die Mitgestaltung politischer Prozesse in der Schweiz vereinfacht und ausgeweitet werden. Fünf Projekte wurden ausgewählt und mit insgesamt 100 000 Franken gefördert; die 24 involvierten Menschen konnten damit sechs Monate lang konzeptualisieren, Code schreiben, testen, verwerfen und neu programmieren. Jetzt führten sie ihre Prototypen erstmals der breiten Öffentlichkeit vor.

Mit «smartask» soll der Austausch zwischen Bevölkerung und Parlament vereinfacht werden. Auf einer Plattform können Fragen, Lob und Beschwerden an ParlamentarierInnen gerichtet werden. Deren Antworten und Reaktionen sind öffentlich einsehbar. Das Tool hilft, mit dem eigenen Anliegen an die richtige Person zu gelangen, und filtert Beschimpfungen und Missbrauch heraus. «CH+ Games for Democracy» hat sich von Tinder inspirieren lassen: Wie bei der Dating-App werden bei diesem Tool KandidatInnen vorgeschlagen, die die NutzerInnen nach rechts oder links swipen können. Als Entscheidungsgrundlage dient der «Smartspider» der KandidatInnen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob hier die Auseinandersetzung mit politischen Werten und Positionen gefördert wird oder doch eher eine Beliebigkeit resultiert.

«FairElection» versucht derweil, Wahllisten von Anfang an nach gerechten, objektiven und repräsentativen Kriterien zu erstellen: Mithilfe der App sollen die Parteien ihre Wahllisten leichter als Abbild der Gesellschaft gestalten können und damit die politische Repräsentation etwa von Frauen oder Minderheiten verbessern. Bei «voty.ch» steht der politische Bildungsprozess im Vordergrund. Die App soll Lehrpersonen dabei helfen, demokratische Prozesse bereits in der Schule zu thematisieren und konkret auszuprobieren.

Und schliesslich soll der Prototyp «owlly» die lang ersehnte digitale Unterschriftensammlung ermöglichen. Mit dem Kanton Schaffhausen ist bereits ein in Sachen digitalisierte Demokratie vorpreschender Kanton an Bord. Ob sich die anderen Prototypen bewähren, wird sich zeigen.

Die Prototypen können auf https://prototypefund.opendata.ch/projects/ getestet werden. Die nächste Bewerbungsrunde: 7. April bis 16. Mai 2021.

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