Nr. 28/2021 vom 15.07.2021

LeserInnenbriefe

Lustfeindliche Linke am Ball

«Fussball: Wenn die Linke ‹Goooaaaaaal!!!› schreit», WOZ Nr. 26/21

Tatsächlich gibt es auch ein paar Linke, die sich noch nicht von der Nikotinabhängigkeit lösen konnten. Und es gilt auch, dass es Linke gibt, die gerne jassen. Ich bekenne mich dazu, dass ich gerne Fussball schaue, rauche und leidenschaftlich jasse. Dies, obschon ich mir des imperialistischen Zusammenhangs vollkommen bewusst bin, weil ich linkes Gedankengut in mir trage, das meine Mutter mir eingepflanzt hat, weil mir meine Grosseltern die Liebe zu YB weitergereicht haben und ich heute FCW-Sympathisant bin. Diese Replik von Hans Hässler (sic!) finde ich mässig lässig und lustfeindlich. Links hat nichts mit Lustfeindlichkeit zu tun, und Sport ist Politik und widerspiegelt unsere Gesellschaft.

Lorenz Nydegger, per E-Mail

Ach, ist die WOZ nicht nett, da gibt sie Hans Fässler die Möglichkeit, darzulegen, was für ein besserer Linker und vermutlich auch Mensch er ist, weil er Fussball verachtet. Kein Argument ist zu dumm, selbst nicht der Hinweis, dass man ja beiden Teams je einen Ball geben könnte. Klar sind Fifa und Uefa extrem unsympathisch und der Nationalismus nicht aller, aber einiger Fans irgendwas zwischen peinlich, ärgerlich und abstossend. Aber für viele bleibt Fussball dann halt doch die «schönste Nebensache der Welt».

Herr Fässler führt sicher ein durch und durch korrektes Leben, er liest stets nur Marx, Mühsam, Gramsci et cetera. Und wenn er wandert, dann nur mit Zelt und allem Proviant, denn eine Einkehr in eine der Hütten oder Bergbeizen – vor denen fast immer eine Schweizer Fahne hängt – verbietet sich natürlich von selbst. Wir schlechteren Linken aber lesen gerne mal einfach nur einen lustigen Roman, trinken ein Bier auf einem Gipfel und ja, wir erfreuen uns an sportlichen Höchstleistungen und fiebern bei einem spannenden Match mit. Vielleicht sollte er einfach akzeptieren, dass nicht alle so toll sein können wie er und er das mit Fussball machen soll, was meine Mutter ihr Leben lang gemacht hat: ignorieren.

Matthias Botzen, per E-Mail

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