Was weiter geschah : Kein Olympia in der Ukraine

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Rund 55 Umweltverbände aus der ganzen Welt fordern vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK), die Ukraine nicht als Austragungsort der Winterspiele in Betracht zu ziehen. Die Naturschützer:innen kritisieren, dass die ukrainische Regierung unter Präsident Wolodymyr Selenski eine Olympiakandidatur als Vorwand nutze, um mehrere umstrittene Bauprojekte in den Karpaten umsetzen zu können. Die Karpaten sind eine der grössten Waldregionen Europas und umfassen die letzten Buchenurwälder des Kontinents. Das fragile Ökosystem könnte durch die Bauvorhaben aus dem Gleichgewicht gebracht werden, fürchten die Umweltverbände, zu denen auch der Bruno-Manser-Fonds aus Basel gehört.

Besonders umstritten ist ein geplantes neues Skiresort im Swidowets-Massiv in den Karpaten, über das die WOZ vor rund zwei Jahren ausführlich berichtete. Hier sollen 60 Hotels, 120 Restaurants, 33 Skilifte und Pisten sowie Einkaufszentren für 28 000 Tourist:innen gebaut werden. «Dafür sollen grosse Waldflächen abgeholzt werden, in denen seltene Pflanzen- und Tierarten wachsen und leben. Die Bergseen werden bedroht – sie sind jedoch für das Wassergleichgewicht der Region sehr wichtig», schreiben Aktivist:innen von Free Svydovets, einer lokalen Organisation, die gegen das Vorhaben kämpft. Hinter dem Megaprojekt steht das vom Oligarchen Ihor Kolomoiski kontrollierte Unternehmen Skorzonera LLC. Laut dem Bruno-Manser-Fonds soll Kolomoiski Verbindungen in die Schweiz haben und mehrere Immobilien in Genf besitzen.

Anlass für den Protest war ein Gespräch zwischen dem ukrainischen Präsidenten und dem IOK-Vorsitzenden Thomas Bach, bei dem laut Angaben des Olympischen Komitees eine mögliche Kandidatur des Landes besprochen wurde. Die nächsten Winterspiele, für die sich die Ukraine bewerben könnte, finden 2030 statt.

Nachtrag zum Artikel «Zwei Skigebiete und eine bankrotte Bank» in WOZ Nr. 13/2019 .