Im Affekt : Hass für Mr. Green

Nr.  45 –

Dies ist eine Lobeshymne auf den Service public, aber nicht direkt. Wer mal in England Zug gefahren ist oder auf der Post war, weiss: Staatliche Dienstleistungen schätzt man erst so richtig, nachdem sie privatisiert worden sind.

Kennen Sie Mr. Green? Vielleicht haben Sie schon die grünen Säcke mit dem Recycling-Superhelden am Strassenrand liegen sehen oder sich darüber aufgeregt, wenn die vollen Säcke im Hauseingang vor sich hin stinken, weil sie nur ein- bis zweimal pro Monat abgeholt werden und natürlich niemand sie in der Wohnung aufbewahren will. Mr. Green ist eine dieser Firmen, die nicht nur Profit machen wollen, sondern eine «Mission» haben: gegen die «Kurzsichtigkeit des linearen Wirtschaftsmodells», für die Kreislaufwirtschaft! Obacht, denn grundsätzlich gilt: Je mehr ich an ein Produkt glauben muss, um es zu kaufen, desto weniger brauche ich es vermutlich.

Mr. Green holt, beflügelt von Investitionskapital, gegen eine Abogebühr recycelbare Wertstoffe an der Haustür ab. Die Firma verdient also Geld an der Faulheit von Leuten, die keine paar Hundert Meter zur Entsorgungsstelle spazieren mögen. Abgesehen vom recyclten Plastik wars das auch schon. Mr. Green löst keine Probleme, sondern will eine Dienstleistung privatisieren, die der Staat bereits erfolgreich zur Verfügung stellt. Mr. Green schafft sogar neue Kosten und Probleme (wo die Säcke aufbewahren?), weil die Infrastruktur der Firma natürlich viel kleiner und weniger effizient ist als die des Staats. Und dadurch auch weniger ökologisch – wenn Mr. Green mit seinen Lieferwägelchen durch die Gegend fährt, um die Säcke abzuholen, ist das zusätzlicher Verkehr zur sowieso schon betriebenen staatlichen Infrastruktur. Oder soll diese einst gar durch ein dysfunktionales privatwirtschaftliches System ersetzt werden?

Dem Geist nach ist Mr. Green ein typisch grünliberales Konzept: ein bisschen gutes grünes Gewissen verkaufen, ohne die destruktiven Profitinteressen anzutasten, die die Probleme erst verursacht haben. Wir bleiben rot!

Hey, wieso nicht noch ein Shop dazu? Gibts natürlich schon – vom wassersparenden Duschkopf bis zur Periodenunterwäsche.