Im Affekt: Ein Geschenk in Pneuform

Nr. 28 –

«Wir liegen im Sperrfeuer der grünen Brigaden!», jammerte einer. «Niemand kann von uns verlangen, dass wir denjenigen füttern, der uns das Messer in den Rücken stechen will», klagte ein Zweiter. «Die Zeitung macht ad absurdum Gebrauch von der Pressefreiheit. Sie muss uns zugestehen, dass auch wir ad absurdum Gebrauch machen von unserer Werbefreiheit», meinte Walter Frey. Es war an der Eröffnung des Genfer Autosalons von 1979, als die Autoimporteure der Schweiz beschlossen, dem «Tages-Anzeiger» die Inserate zu streichen. Der Anlass: ein kritischer Bericht zur Autolobby Schweiz, der nachzeichnete, wie ebendiese Lobby eine Einführung schärferer Abgasbestimmungen verhinderte oder die Mitsprache der Bevölkerung beim Autobahnbau torpedierte. Zwanzig Jahre lang sollte die Emil Frey AG den Boykott aufrechterhalten.

Wie sich die Zeiten seither verändert haben, zeigte am Wochenende ein Inserat im «SonntagsBlick», prominent platziert neben den wöchentlichen Besserwissereien von Frank A. Meyer. Es warb zwar für die Emil Frey AG – doch geschaltet war es nicht etwa von der Autofirma, sondern vom Medienkonzern selbst. «Alles Gute zum Jubiläum, Emil Frey!» lautete der Titel über der Zahl 100, die Ziffern als Pneus dargestellt. «Gemeinsam feiern wir die Freyheit der Mobilität.» Wie es bei so viel Vergesslichkeit der Schweizer Mediengeschichte um die interne Pressefreyheit steht, wollen wir an dieser Stelle gar nicht wissen. Vier gänzlich positive Seiten des «SoBli» waren auf jeden Fall dem Auto gewidmet, unter anderem einem möglichen Comeback des Verbrennermotors.

Dabei gäbe es in der Sache Walter Frey auch heute noch viel zu recherchieren: Der Milliardär ist einer der wichtigsten Geldgeber der SVP. Kein Wunder, dass das Auto in der Schweizer Politik viel zu selten problematisiert wird, obwohl nichts im Land so viel Platz verschwendet und die Luft verpestet wie die rund 4,8 Millionen zugelassenen Personenwagen.

Wie gross das Inseratevolumen der Emil Frey AG bei Ringier ist, will der Medienkonzern auf Anfrage nicht mitteilen.

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