Film : Irrer Spass mit Nachgeschmack

Nr. 12 –

Filmstill aus «Homo Sapiens?»
«Homo Sapiens?». Regie: Gastón Duprat, Mariano Cohn. Argentinien 2025. Samstag, 28. März 2026, am Filmfestival Freiburg (20.–29. März 2026). Weiteres Programm und Infos siehe www.fiff.ch.

Mit über zwei Millionen Eintritten in Argentinien ist es einer der erfolgreichsten Filme der jüngeren Kinogeschichte des Landes: «Homo Argentum», international «Homo Sapiens?», von Gastón Duprat und Mariano Cohn. Nach satirischen Filmen über den Literatur- und den Kunstbetrieb hatten die beiden zuletzt mit der Welt der Filmfestivals abgerechnet («Competencia oficial», 2021). Ihr neuster Streich, demnächst am Filmfestival in Fribourg zu sehen, ist nun eine One-Man-Show für Guillermo Francella, bekannt aus «El secreto de sus ojos» (2009). In sechzehn Episoden verkörpert er den argentinischen Macho, wie er leibt und lebt: heuchlerisch, grössenwahnsinnig, verlogen, verklemmt und nie um eine Zote verlegen.

Es sind Szenen aus einem Land, wo man nie weiss, ob es sich am Abgrund oder schon im freien Fall befindet. Dabei hat Francella als Komödiant die Gabe, dass er die Lacher selbst dann auf sicher hat, wenn er nur dasitzt und diabolisch grinst. Einige der Miniaturen sind subtil in ihrem Witz, erinnern an italienische Komödien der fünfziger und sechziger Jahre, andere sind zum Brüllen komisch. Etwa die Episode, in der Francella als Regisseur im Urwald einen Film über die Armut einer indigenen Gemeinschaft dreht. Als er damit den Hauptpreis der Berlinale gewinnt, geisselt er in seiner Dankesrede den Kapitalismus und preist die Indigenen – die er beim Dreh noch mit grösster Verachtung behandelt hatte.

Derartiges kam nicht überall gut an. In Argentinien löste «Homo Argentum» heftige Kontroversen aus, erhielt Beifall auch von falscher Seite. Etwa von Präsident Javier Milei, der in einem Tweet von «mentalen Parasiten» schwadronierte, die es nun am meisten schmerze, «dass ein ohne staatliche Förderung entstandener Film so viel Erfolg hat». Dies schrieb ausgerechnet der Mann, der das Kulturministerium aufgelöst und die staatliche Filmförderung abgeschafft hat. Duprat/Cohn verwahrten sich gegen jegliche Vereinnahmungsversuche: «Den Film unter einem ideologischen Etikett zu fassen, ist sehr rudimentär», schrieben sie in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung «La Nación».