Leser:innenbriefe
Waffenexportpropaganda
«Rüstungsreferendum: Fehlstart von Swissmem», WOZ Nr. 17/26
Ich habe nachgeschaut, was die Anti-GSoA-Inserate von Swissmem gekostet haben: Es waren mindestens 83 000 Franken – an einem Tag, Monate vor der Abstimmung. Die Rüstungsindustrie wird beinahe unbeschränkte Gelder aufwerfen, um die Aushöhlung des Kriegsmaterialgesetzes durchzudrücken. Es wird viel zivilgesellschaftliches Engagement erfordern, um die Propaganda der Waffenlobby zu kontern.
Andreas Weibel, Bern
Doppelmoral empört
«Angriffe auf den Libanon: Die Suche nach Sahra», WOZ Nr. 16/26
Die WOZ beschreibt akribisch die Bombardierung eines Wohngebäudes in Beirut, ohne zu benennen, dass es sich um ein vorsätzliches Massaker an zwanzig Zivilpersonen handelt – ein Kriegsverbrechen. Selbst wenn «mutmassliche» Milizangehörige zeitweise dort geschlafen haben sollten, wäre das Haus kein legitimes militärisches Ziel.
Der israelische Angriffskrieg hat etwa eine Million Libanes:innen aus ihren Häusern vertrieben. Die «New York Times» berichtete am 1. April, Israel betreibe gezielt die Vertreibung der schiitischen Bevölkerung. Die israelische Regierung macht keinen Hehl aus ihrem Plan, den Südlibanon zu entvölkern und zu annektieren. Die meisten europäischen Politiker:innen und Medien aber wagen es nicht einmal, den illegalen Angriffskrieg, den die USA und Israel gemeinsam begonnen haben, als solchen zu verurteilen. Die Verantwortlichen für diese rechtlich eindeutigen Kriegs- und Vertreibungsverbrechen müssen genau wie Putin vor ein internationales Gericht gestellt werden. Doch Europas Regierungen (mit Ausnahme von Sánchez in Spanien), die gestern noch lauthals fürs Völkerrecht einstanden, kuschen vor Trump und belohnen Netanjahu mit politischer, militärischer und nicht zuletzt moralischer Unterstützung. Diese Feigheit, diese Doppelmoral sollte uns alle empören.
Toni Menninger, Bern
Kindsbeleidigung
«Zeitdiagnostik: Kindsköpfe an die Macht», WOZ Nr. 16/26
Wie man erwachsene Sexualstraftäter und Faschisten mit Kindern vergleichen kann, erschliesst sich mir nicht ganz. Das ist doch Adultismus. Kinder sollen hier nicht hinhalten müssen für gewaltvolles, mit Niedertracht durchtränktes politisches Handeln korrupter erwachsener Staatsmänner. Weder sind Kinder, vor allem auch männliche, misogyn oder fremdenfeindlich, noch ist ihre Fantasiewelt und die Faszination für Geschichten und Figuren Anlass zu Spott oder Belächeln. Kinder reden auch nicht immer nur, «wie ihnen der Schnabel gewachsen ist», und gehen auch nicht durch die Welt und «räumen all jene aus dem Weg», die anderer Meinung sind. Im Gegenteil: Sie müssen verhandeln, kooperativ sein und gehen täglich Kompromisse in der Erwachsenenwelt ein.
Der Begriff «Kindermänner» ist dann der Höhepunkt der Beleidigung in Richtung unserer jüngsten Erdenbürger:innen. Ich hoffe, er etabliert sich nicht, wie es sich der Autor vielleicht erhofft. Erwachsene Männer sind erwachsene Männer sind erwachsene Männer. Auch klar, hat so gerade niemand mehr Bock auf Kinder.
Liebe euch natürlich trotzdem. Euer Kindskopf
Nina Laky, per E-Mail
«Diese prekären Lebensverhältnisse bedeuten real einen Autonomieverlust, der sich etwa auch in die Kindererziehung überträgt: Die wenig Besitzenden ziehen ihre eigenen Kinder ‹bindungsorientiert› und mit viel ‹Liebe› auf, sprich Abhängigkeit, weil ihnen kein Erbe bleibt, das genug Druck aufbauen könnte, eine Familienlinie in die Zukunft zu verlängern.»
Alex Struwes Artikel «Kindsköpfe an die Macht» enthält einige interessante Gedanken und Denkanstösse. An dieser Passage stosse ich mich als junge Mutter jedoch sehr (und sie scheint mir weder ausreichend begründet noch für die Kernaussagen des Artikels notwendig). Ich möchte meinen Sohn bindungsorientiert und mit Liebe (ohne Anführungszeichen!) beim Aufwachsen begleiten. Das entspringt meinen Werten und nicht einem defizitären Kontostand. Damit möchte ich ihn gerade dabei unterstützen, ein eigenständiger Erwachsener zu werden, der selbst entscheiden kann, wie viel Nähe und Kontakt er zu seiner Herkunftsfamilie haben möchte und ob er selbst dereinst eine eigene Familie gründen möchte.
Glorianna Wagner-Jagfeld, per E-Mail