Schweizer Geld : Mitverdiener im Hintergrund

Nr. 22 –

Am Flüssiggasboom sind entlang der ganzen Wertschöpfungskette Schweizer Unternehmen beteiligt. Ein Überblick.

Ob beim Handel oder dem Transport von Flüssiggas (LNG), bei der Finanzierung, der Versicherung oder dem Bau von Terminals und dem Betrieb von Gaskraftwerken – Schweizer Unternehmen sind massgeblich am globalen Geschäft beteiligt.

Die Investoren

Das Private-Equity-Unternehmen Partners Group, dessen Aktien an der Schweizer Börse gehandelt werden, investiert Milliarden von Franken in den Gasboom. Die Firma sieht darin einen «pragmatischen Transformationsansatz», der mit ihren Klimazwischenzielen im Einklang stehe, wie sie auf Anfrage schreibt. LNG-Importe seien ein «wichtiger Baustein» der europäischen Versorgungssicherheit.

Neben dem LNG-Terminal in Stade (vgl. «Von wegen temporär») ist die Partners Group etwa auch an einer Gaspipeline zwischen den USA und Mexiko beteiligt. Ausserdem hat das Zuger Unternehmen in den USA mehrere Firmen im Gasbereich gekauft: So ging letztes Jahr der Konzern Middle River Power, der allein in Kalifornien dreizehn Gaskraftwerke betreibt, in seinen Besitz über. Hinzu kommen weitere Gas- und Ölkraftwerke an der Ostküste sowie im Mittleren Westen und ein Kohlekraftwerk in Texas. Zudem gehört dem Unternehmen eine US-Gesellschaft, die dank Landrechten Lizenzgebühren von Gasförderern kassiert.

Alfred Gantner, Mitgründer der Partners Group, war Ende November letzten Jahres mit einer Gruppe Schweizer Unternehmer im Oval Office bei US-Präsident Donald Trump und verhandelte über eine Absenkung der damals von Trump auferlegten Importzölle von 39 Prozent. Offenbar war Gantners Engagement damals nicht uneigennützig, fehlten ihm doch bestimmte Genehmigungen der US-Regierung für Gasgeschäfte, wie die CH-Media-Zeitungen kürzlich berichteten.

Ebenfalls an LNG-Terminals beteiligt ist das Zürcher Unternehmen Energy Infrastructure Partners (EIP), das gemäss eigenen Angaben Gelder von 180 Schweizer Pensionskassen anlegt. EIP hält über fünfzehn Prozent am belgischen Gaskonzern Fluxys, der etwa das LNG-Terminal Seebrügge in Belgien betreibt. Dieses wird derzeit mit günstigen Krediten der Europäischen Investitionsbank weiter ausgebaut. Seebrügge ist besonders umstritten, weil darüber viel LNG aus Russland in die EU angeliefert wird. Allerdings soll damit laut einem EU-Ratsbeschluss nächstes Jahr Schluss sein.

EIP ist auch mit über 33 Prozent am Schweizer Energieunternehmen Alpiq beteiligt, das ebenfalls im Gasgeschäft aktiv ist. Ausserdem hält EIP einen 36-Prozent-Anteil an der Firma Transitgas, der die zentrale Nord-Süd-Gasleitung durch die Schweiz gehört. EIP wollte auf Fragen der WOZ nicht antworten. So bleibt offen, wie das Unternehmen sein Engagement in der Gaswirtschaft mit dem auf der Website beworbenen Ziel der «Dekarbonisierung» vereinbart.

Die Händler

Eine Schlüsselrolle im Geschäft mit LNG aus den USA spielen sämtliche grossen Schweizer Rohstoffhändler. Ob Gunvor, Vitol, Mercuria, Trafigura oder Glencore: Alle haben mit den US-amerikanischen Terminals in den letzten Jahren feste und langfristige Abnahmeverträge abgeschlossen. Besonders stark auf LNG fokussiert ist die Zuger MET Group, die ebenfalls mit festen Abnahmeverträgen ausgestattet ist.

Die Energiekonzerne

Die Axpo, grösster Energiekonzern der Schweiz, ist gemäss eigenen Angaben ein bedeutender Händler von LNG in Europa. Das Unternehmen mit Sitz in Baden, das vollständig in den Händen mehrerer Deutschschweizer Kantone ist, hat vergangenes Jahr dreissig grosse LNG-Lieferungen nach Europa importiert, hauptsächlich für den spanischen Markt. Das LNG stammte aus den USA sowie aus Algerien. Die Axpo betreibt zudem drei Gaskraftwerke in Italien. Kürzlich hat das Unternehmen in einer Studie den Bau von mehreren Gaskraftwerken in der Schweiz propagiert, «als flexible Ergänzung im ­System».

Auch die weiteren grossen Schweizer Energiekonzerne wie etwa Alpiq, die BKW und Repower sind im europäischen Gashandel tätig und betreiben mehrheitlich in Italien, aber auch in Spanien und Ungarn Gaskraftwerke.

Die Banken

Seit dem Untergang der Credit Suisse ist der Schweizer Bankenplatz weniger stark in die Finanzierung von Gasprojekten eingebunden als früher. Allerdings gehört die UBS zu jenen globalen Banken, die Kredite an die grossen Rohstoffhändler und Energieunternehmen vergeben, die im LNG-Geschäft tätig sind. Auf den Philippinen finanziert die Bank den Mischkonzern San Miguel, der dort ein Gaskraftwerk baut (siehe WOZ Nr. 21/23). Zudem hält die UBS für ihre Kund:innen über Aktienfonds Anteile an diversen Unternehmen, die im Gasgeschäft tätig sind.

Die Versicherungen

Zurich, Swiss RE, Helvetia und Baloise sind alle an der Versicherung der grossen LNG-Exportterminals in den USA beteiligt. Da diese Terminals ohne ausreichende Versicherung nicht gebaut oder betrieben werden können, spielen die Versicherungsgesellschaften im LNG-Geschäft eine Schlüsselrolle.

Ein Spezialfall ist die bundeseigene Schweizerische Exportrisikoversicherung, die reihenweise Exporte von Turbinen für Gaskraftwerke aus dem Schweizer Werk des Unternehmens GE Vernova absichert. Sie finanziert damit indirekt auch Projekte, die Gas aus LNG-Importen verfeuern. ●