Eine EU-Bürgerin, die in die Schweiz einwandert, sieht dieses Land wohl erst mal positiv. Der Staat funktioniert, der öffentliche Raum ist gepflegt. Und wow, die Löhne!
Das erste Mal erschrecken wird sie, wenn sie die Krankenkassenrechnung erhält und das unsoziale System der Kopfprämie kennenlernt. Das zweite Mal erschrecken wird sie, falls sie Kinder bekommt. Vielleicht lernt sie, wenn sie ihre Elternzeit versucht zu planen, ein treffendes schweizerdeutsches Wort: schmörzelig. Inzwischen weiss sie auch, welch grossen Anteil ihres Lohnes sie für die Kinderbetreuung budgetieren muss. Kinder sind in diesem Land Privatsache – wer sie sich nicht leisten kann, hat etwas falsch gemacht. Privatsache ist es auch, wenn ein ausländischer Millionär mit Wohnsitz in der Schweiz jeden Monat 10000 Franken für seine Hobbys ausgibt, statt dieses Geld zu versteuern (siehe WOZ Nr. 46/25).