Diesseits von Gut und Böse: Wirre Waffen
Man fragt sich ja schon, welche politische Vision ein Mensch hat, der selbige symbolisiert, indem er mit einer «Hieb- und Stichwaffe, die die Mannstoppwirkung eines Spiesses mit der panzerbrechenden Wirkung der Axt kombiniert», herumläuft. Denn das ist die Hellebarde gemäss Wikipedia.
Bei der unbewilligten Demo gegen den Impfzwang in St. Gallen (vgl. «Konfrontativ bis zur Lächerlichkeit») trug auch Mass-voll-Führer Nicolas Rimoldi eine solche. Ob man mit der Hellebarde das bedauernswerte Pflegepersonal oder nur die feindlichen Viren zu erstechen gedachte, blieb offen.
Aber weshalb stört es eigentlich kaum jemanden, dass sich die Führung einer Schweizer Regierungspartei derselben Symbolik bedient wie Rechtsextreme und Wirrköpfe? Die SVP, deren Regierungsvertreter auf internationaler Ebene den Eindruck zu erwecken suchen, man regiere ein modernes Land, und im Innern die Klimaerwärmung ignorieren, hat gegen rechts keine Berührungsängste und einen Präsidenten, der mit einem spätmittelalterlichen Schlachtgerät herumfuchtelt.
Am Wochenende gabs neben Demos auch Fastnachtsumzüge, an denen sich in einem freien Land natürlich auch die Gesinnungsgenoss:innen besagter Partei beteiligen dürfen. So fand man es zum Beispiel im freiburgischen Plaffeien lustig, auf dem Fasnachtswagen mit Blackfaces in einem als «Mittelmeertaxi» bezeichneten Gummiboot zu sitzen, um darauf hinzuweisen, dass man keine «10-Millionen-Schweiz» wolle. Aber wenigstens hatte man die mitgeführten schwarzen Puppen noch nicht auf Hellebarden gespiesst.