Den präzisen Luftschlag gibt es nicht

Le Monde diplomatique –

Mit ihrem Luftkrieg gegen Iran verfolgen Israel und die USA nach eigenen Angaben zwei Ziele: Sie wollen Teherans Atomprogramm zerstören und einen Regimewechsel herbeiführen. Die praktischen und ethischen Grenzen dieser Militärstrategie sind aus der Geschichte hinlänglich bekannt. Tatsächlich sind Luftangriffe selten das Ergebnis zielorientierter Überlegungen, sondern folgen vielmehr der pragmatischen Maßgabe, die eigenen Streitkräfte zu schonen. Diese Strategie kam bereits vor dem Ersten Weltkrieg zur Anwendung. Als etwa in den 1910er Jahren die französischen und britischen Kolonialtruppen bei den Aufständen in Nordafrika und Vorderasien schwere Verluste erlitten, wurden die besetzten Territorien mit Bombardements aus der Luft „befriedet“.

Dabei kamen natürlich viel mehr unbeteiligte Zivilisten ums Leben als beim Einsatz von Bodentruppen. Nicht alle Offiziere wollten das einfach so hinnehmen. Der britische Militärhistoriker David Omissi hat sich am Beispiel der Niederschlagung schiitischer und kurdischer Aufstände in den 1920er Jahren im heutigen Irak mit dem Fall des Generalmajors Lionel Charlton beschäftigt. Als Charlton in einem Krankenhaus in Diwaniyya die verletzten Opfer britischer Bombardements besuchte, war er so schockiert, dass er darum bat, von seinem Posten entlassen zu werden: „Um seiner Karriere willen hätte er das Vorgehen der Royal Air Force akzeptieren müssen. Letztlich obsiegte sein Gewissen.“1

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