Das Wesen der Zuneigung

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Der Bürokrat hat einen poetischen Gedanken: Häftlinge marschieren auf ihr Ende zu, über ihnen blühen die Kirschbäume. Der Schreibtischtäter, der Menschen in den Tod schickt und dabei an blühende Bäume denkt: Aus solchen Bildern ist ein Staat gemacht, schreibt Katja Brunner. Er besteht aus «Wunden, Würden, Bürden und Würdenträgern»; aus Industrialisierung, Kinderarbeit und Napalm; aus Gökhan Gültekin, der sein Glas nicht mehr austrinken konnte, und aus allen anderen Namen der Opfer von Hanau.

«Auslegeordnungen um neuralgische Punkte herum, das ist Schreibarbeit bei mir», sagte Brunner einmal. «Die Kunst der Wunde» ist eine düstere, zärtliche, wütende, verspielte Befragung unserer Gegenwart, deren Grundgerüst eine Sprache ist, «die teils normierend und objektiv tut, aber immer Herkunft verrät». Diese Sprache ist für Brunner nichts weiter als aus Machtgesten geformter Lehm, den sie platt walzt und neu formt.

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