Leser:innenbriefe
WOZ und Israel
«Antisemitismus: Nicht wegschauen!», WOZ Nrn. 51 + 52/25
Die Redaktorin wiederholt einmal mehr die verheerende Gleichsetzung von Antisemitismus und Antizionismus, die auch von islamistischen Zirkeln gemacht wird – wie es der tragische Anschlag auf eine Chanukka-Party in Australien zeigt. Es ist das Gleiche, was einerseits die Propaganda des israelischen Staates und die bürgerliche Presse üben und autoritativ gebieten – Letztere aus Rücksicht auf zionistische Kreise in der eigenen Gesellschaft. Es stünde aber einer WOZ besser an, die Unterscheidung zwischen Judentum und Zionismus, eine der überlebenden ethnonationalistischen Ideologien des späten 19. Jahrhunderts, zu pflegen, damit die Linke die klare Unterscheidung bewahren kann. Jeder von uns kennt viele Juden, die offen (oder heimlich, um sich in der Familie nicht unmöglich zu machen) antizionistisch sind, und wir tragen diese Abwehr gegen einen Apartheidstaat mit.
Susy Greuter, Basel
Es wirkt beinahe zynisch, dass die WOZ diesen Kommentar publiziert. Meiner Meinung nach unterläuft Ihnen der gleiche Fehler, den andere Redaktionen auch machen: Jeder einzelne «israelkritische» Artikel mag in sich noch einigermassen um Ausgewogenheit bemüht sein, die disproportionale Bewirtschaftung des Themas macht die WOZ de facto zur Steigbügelhalterin linker Antisemit:innen. Wobei linkem Antisemitismus auch inhaltlich durch Auslassungen Vorschub geleistet wird, wenn zum Beispiel die Verantwortung der Hamas-Führung an der Tragödie in Gaza knapp noch in einem Feigenblattkommentar Erwähnung findet, anstatt systematisch angesprochen zu werden.
Lorenz Kurth, per E-Mail
Natur geht vor
«Energiepolitik: Schmerzlicher Kompromiss», WOZ Nrn. 51 + 52/25
Am Beispiel der Auseinandersetzung um das Triftgebiet – ein neues Wildnisgebiet oder ein Stausee mehr – zeigt sich eine eklatante strategische Schwäche der etablierten Schweizer Umweltverbände: Niemandem wehtun, heisst da die Devise, und ein paar Kompromisse – im Klartext sind das einfach Verluste an Natur und Landschaft – wird es wohl schon noch vertragen. Das haben wir ja in den letzten fünfzig Jahren auch so gemacht.
Gut bezahlte Angestellte wie Frau Marti von der SLS und Frau Steiner von Aqua Viva verfügen locker über die letzten, nein, die allerletzten Reste an naturnahen Fleckchen, die Gegenleistung besteht aus gesetzlich bereits festgelegten Massnahmen! Von Kampfeswillen ist da nichts zu spüren, Hauptsache nett sein. Dabei sollten die vergangenen zwanzig Jahre uns gelehrt haben, dass man den Rückschlägen beim Natur- und Umweltschutz mit Kompromissen nicht beikommt, ja an diesem Abbau damit sogar eine Schuld mitträgt. Wer heute nicht klar Position bezieht, wird als schwach wahrgenommen und kleingemacht.
Wie der Bundesrat und das Bundesamt für Energie festgestellt haben, beträgt die Verschwendungsrate beim Strom etwa 15 Prozent. Allein angesichts dieses auch volkswirtschaftlich unhaltbaren Zustands kann ein Triftstausee, der gerade einmal 2,5 Promille des Verbrauchs lieferte, nur noch als eine – möglicherweise zeitgemässe? – Form des Wahnsinns bezeichnet werden. Und das dann als Kompromiss zu verkaufen, gereicht den beiden Verbänden nicht gerade zur Ehre.
Uwe Scheibler, Wetzikon ZH
Die Trift unter Wasser zu setzen und die Grimselstaumauer zu erhöhen ist leider überhaupt kein Kompromiss. Die beteiligten Naturschutzverbände haben sich von den KWO über den Tisch ziehen lassen. Mit der Überflutung wird nicht nur ein ökologisch wertvolles Gebiet von anerkannt nationaler Bedeutung endgültig zerstört, es wird auch mutwillig der Schutz des Rothenthurm-Artikels (Folge einer der wenigen erfolgreichen Volksinitiativen!) der Bundesverfassung missachtet. Das könnte weitere Verfassungsbrüche präjudizieren. Die Trift ist nur deshalb nicht vergleichbar geschützt, weil sie erst in jüngster Zeit entstanden ist. Dabei bietet dies gerade eine besondere Chance für die Biodiversität. Beide Projekte werden nur einen verschwindend kleinen Bruchteil der sogenannten Winterstromlücke decken und erst noch nach Jahren ebenfalls sehr belastender Bauzeit. Mit Solar-, Wind- oder Wasserstoffanlagen vorwärtsmachen ist in jeder Hinsicht weit effizienter!
Rolf Zimmermann, Bern
Geschichten, Poesie, Trost
«Gamen: Im Paralleluniversum», WOZ Nrn. 51 + 52/25
Ich habe mich ja sehr gefreut über eure Weihnachtsempfehlungen, aber dann kommt nur ein Game vor, und das ist weder «Disco Elysium» noch «Celeste»? Der Fetisch von Marxist:innen für historische Strategiespiele in allen Ehren, aber die meisten von uns wollen in Games was ganz anderes: Geschichten, Poesie und Trost zum Beispiel. Drei Elemente, die man in «Disco Elysium» und «Celeste» so sicher findet, wie man sie in «Europa Universalis» vergeblich suchen wird.
Emef Suave, per E-Mail
Moralische Anklage
«Comic: Metzger mit Gewissensbissen», WOZ Nrn. 51 + 52/25
Laut Bericht sei der Comic keine moralische Anklage bezüglich Fleischkonsum. Dies ist er aber zum Glück genau! Die gruseligen Motive – auch wenn nur als Comic – stehen doch symbolisch für unseren absurden Fleischkonsum. Die Albträume des Metzgers, sein beeinträchtigtes Verhältnis zu seiner Frau zeigen doch klar, dass man krank wird, wenn man das Fleischbusiness an vorderster Front betreibt. Darum kann man nur zum Schluss kommen: Wir müssen aufhören, fühlende Lebewesen für einen fürs Überleben unnötigen Tierproduktekonsum auszubeuten. Nur weil sie einer anderen Spezies angehören, eine etwas andere DNA haben. Das darf doch niemals die Begründung für ein derart schlimmes Unrecht sein, dessen Ende zudem leider nicht abzusehen ist.
Renato Werndli, Eichberg