Nr. 01/2006 vom 05.01.2006

Mythenkiller

Von Pit Wuhrer

Die Wissenschaft, schrieben Theodor W. Adorno und Max Horkheimer vor fast sechzig Jahren in ihrem Werk «Dialektik der Aufklärung», sei zu einem Mythos geworden, der heute einen genauso blinden Gehorsam erzeuge wie einst die Religion. Diese These trifft mittlerweile besonders auf die Wirtschaftswissenschaft zu, deren Aussagen kaum noch bestritten werden - obwohl sie oft jeder realen Grundlage entbehren.

«Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut», lautet eine Standardfloskel, die überall herumgereicht wird - am Stammtisch genauso wie in Regierungspapieren. Aber ist Wirtschaftswachstum gleichzusetzen mit individuellem und gesellschaftlichem Wohlbefinden? «Arbeitslosigkeit entsteht durch zu wenig Flexibilität am Arbeitsmarkt», heisst ein anderes Argument, das derzeit in keiner Fernseh-Talkshow fehlt. Aber wie bedeutsam ist der Kündigungsschutz tatsächlich? «Wir brauchen mehr Eigenverantwortung», posaunen Wirtschaftsverbände und Regierungen ständig dann in alle Welt, wenn sie den Wohlfahrtsstaat beschneiden wollen. Aber gibt es für diese Eigenverantwortung überhaupt die nötigen Voraussetzungen?

Stimmen all diese Thesen, denen wir ständig begegnen und die ach so plausibel daherkommen? Hemmt die staatliche Regulierung die Innovation? Ist die Arbeit zu teuer? Braucht es für den technischen Fortschritt Patente? Werden Sozialleistungen häufig missbraucht? Bietet der Freihandel den besten Weg zur Entwicklung? Sind die Steuern zu hoch? Anderthalb Jahre lang haben sich die SozialwissenschaftlerInnen des österreichischen Beirats für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (abgekürzt: Beigewum) mit den Mythen der derzeit herrschenden Wirtschaftswissenschaft auseinander gesetzt und eine «Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen» verfasst. Herausgekommen ist ein kompaktes Nachschlagewerk für alle, die den immer gleichen Expertenaussagen misstrauen, die die Standortdebatten satt haben und die nach Alternativen zur liberalen Wirtschaftsordnung suchen. Das Buch bietet jede Menge Argumente dafür.

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