Nr. 19/2006 vom 11.05.2006

Die Anfahrt zum Aufstieg

Von Daniel Lampart

Auto um Auto fährt vor, der Parkplatz ist nahezu belegt. Wer jetzt noch kommt, muss bereits eine Parklücke suchen. Dieses Phänomen ist nicht nur abends vor den Partylokalen in den Agglomerationen zu beobachten, sondern an den Wochenenden auch frühmorgens – in den Bergtälern zum Beispiel, von denen Skitouren ausgehen. Viele SkialpinistInnen fahren zum Teil Stunden vorher in den Mittellandkantonen oder im nahe gelegenen Ausland los und legen oftmals über hundert Kilometer mit dem Auto zurück. Ein ziemlich paradoxes Verhalten für eine Sportart, die viele gerade deswegen lieben, weil sie so naturverbunden ist ...

Dass es heute möglich ist, aus weit entfernten Regionen anzureisen, um eine Skitour bei geringem Risiko in einem unbekannten Gebiet zu unternehmen, ist auch den hervorragenden SAC-Skitourenführern zuzuschreiben. In diesem Frühjahr – zum Saisonschluss – ist nun der überarbeitete Band «Skitouren Berner Alpen West» von Ralph Schnegg und Daniel Anker erschienen. Rund 600 Routen auf 300 Gipfel werden darin ausführlich beschrieben. Wie in den SAC-Führern üblich, enthalten die Beschreibungen den Routenverlauf, Angaben über Hangneigungen, Aufstiegsdauer, Spaltengefahren und so weiter. Die Routen werden nach ihrem skitechnischen Schwierigkeitsgrad klassiert (leicht bis extrem schwierig), was eine Abstimmung der Tourenziele aufs eigene Können erlaubt. Neu findet sich zudem – endlich – auch eine Klassifikation derjenigen technischen Schwierigkeiten, welche die AlpinistInnen bei den Teilen des Gipfelanstiegs erwarten, welche zu Fuss gegangen (oder erklettert) werden müssen, weil das Gelände für Skis beispielsweise zu steil oder zu felsig ist. Zahlreiche Fotos ermöglichen zudem eine bessere Orientierung im Gelände. Die Möglichkeit, nicht mit dem Auto, sondern umweltverträglicher mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Touren anzureisen, wird in diesem Führer implizit angesprochen: Er gibt bei den Ausgangspunkten der Routen teilweise die Haltestellen des öffentlichen Verkehrs (ÖV) an. Ein ausgezeichnetes Buch also.

In Anbetracht der grossen Umweltschäden, die der Autoverkehr verursacht, sei hier aber trotzdem eine Kritik (und ein Vorschlag) angebracht – nicht an dem Band, aber an dessen Herausgeber: Der SAC muss sich wesentlich mehr für umweltverträgliche Formen des Alpinismus engagieren. Die SAC-Führer können allerdings nicht das geeignete Gefäss dafür sein. Entsprechende Hinweise würden den Umfang der handlichen Bücher weiter anwachsen lassen. Zudem würden diese dann beispielsweise aufgrund von Fahrplanwechseln zu schnell veralten. Besser wäre es, der SAC würde in einer eigenen Buchreihe die Grundlage für eine umweltverträglichere Skitourenaktivität legen. Die Bände dieser Reihe könnten, nach Gebieten geordnet, Routenvorschläge mit Angaben zu ÖV-Verbindungen, Übernachtungsmöglichkeiten, Mobility-Standorten und so weiter enthalten. Einen ersten Schritt in diese Richtung macht die Organisation Mountainwilderness (www.mountainwilderness.ch) mit ihren ÖV-Skitourenführern.

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