Nr. 08/2007 vom 22.02.2007

«Ohne Notwendigkeit verkauft»

Interview: Johannes Wartenweiler

WOZ: Herr Siegenthaler, der Gemeinderat von Thun habe dem Verkauf von 49 Prozent der Energie Thun AG an die BKW nicht geschlossen zugestimmt - stimmt das?

Peter Siegenthaler: Ich habe dem Geschäft nicht zugestimmt und im Gemeinderat auch angekündigt, dass ich mein Stimmverhalten offenlegen werde, falls ich danach gefragt werde.

Warum haben Sie dagegen gestimmt?

Im Gemeinderat wurde der Verkauf nur unter finanzpolitischen Aspekten beurteilt. Dabei hat das Geschäft gravierende Nachteile. Wir geben ohne Notwendigkeit ein gut gehendes Werk aus der Hand. Dies bedeutet das sichere Ende der Energie Thun AG. Die BKW wird nie die gleiche Kundennähe anbieten können wie Energie Thun.

Es gibt Experten, die behaupten, die BKW erhalte die Anteile an Energie Thun zu günstig.

Das kann ich nicht beurteilen. Mir wurde von verschiedenen Seiten versichert, dass die BKW einen guten Preis bezahle. Ein wirklich unabhängiges Gutachten zum Wert des Werks hat es jedoch nie gegeben. Es war - entschuldigen Sie die starken Worte - eine Inzuchtvorlage. Kommt hinzu, dass ich erst seit diesem Jahr im Amt bin und zu einem späten Zeitpunkt mit der Vorlage konfrontiert wurde.

Ihre abweichende Haltung wird im Gemeinderat wohl für Ärger sorgen.

Dieses Geschäft wurde unter grösster Geheimhaltung vorbereitet. Ich weiss, dass ich mit meinen Aussagen gegen das Kollegialitätsprinzip verstosse. Aber das scheint mir angesichts der Reichweite des Entscheids gerechtfertigt. Ich erwarte, dass derart weitreichende Entscheide künftig besser und breiter abgestützt werden.

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