Nr. 40/2008 vom 02.10.2008

Ich verstehe nur DAX!

Von Susan Boos

Derzeit gibt es zwei Kategorien von Menschen: jene, die von Derivaten reden und wissen, was dahintersteht - und jene, die ahnen, dass alles übel den Bach runtergeht. Doch wenn die US-Finanzkrise - wie uns NichtökonomInnen seit geraumer Zeit schwant - der Anfang vom Ende ist oder zumindest sein könnte, wären wir froh, wir wüssten ein bisschen genauer, wovon die da reden.

Ökonomie ist keine exakte Wissenschaft, Ökonomie ist viel Ideologie mit vielen wilden Wörtern. Vermutlich ist es einfacher, einem Kind ein schwarzes Loch zu erklären, als die Frage zu beantworten, wie Derivate daran sind, die Banken zu pulverisieren. Philipp Löpfe schafft es: leichtfüssig, knapp und klar. Löpfe war Chefredaktor von «SonntagsBlick» und «Tages-Anzeiger», heute arbeitet er als Wirtschaftskolumnist. Er hat sich in seinem neusten Buch «Ich verstehe nur DAX!» die Mühe gemacht, gewöhnlichen Menschen die Wirtschaftswelt zu erklären. Er schildert darin, wie die Derivate und die Subprime-Krise entstanden sind, er erklärt, wie Hedgefonds funktionieren und was Private-Equity-Firmen tun, wie die Globalisierung sich durchgesetzt hat und warum die Flat Tax ungerecht ist. Löpfe macht einen Rundgang durch die aktuellen Debatten, die man normalerweise in den Medien nur als unzusammenhängende Puzzleteile wahrnimmt.

Er lobt die SkandinavierInnen, die seiner Meinung nach das Rezept dafür entdeckt haben, wie «Sozialstaat und Globalisierung unter einen Hut» zu bringen sind - indem sie sowohl auf Flexibilität wie auf Sicherheit setzen. Löpfe hält auch ein Plädoyer für das «bedingungslose Grundeinkommen», das manche Probleme und Ungerechtigkeiten der heutigen Systeme beseitigen könnte. Den Kapitalismus möchte er nicht abschaffen, er hängt am erfolgreichen Modell Demokratie-Marktwirtschaft, das er aber derzeit durch den entfesselten Superkapitalismus bedroht sieht. Man braucht mit Löpfes Analysen nicht immer einig zu gehen - und dies ist gerade die grosse Stärke des Buches: Es befähigt zum Mitdenken.

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