Nr. 12/2009 vom 19.03.2009

Villigers starker Tobak

Zu alt für den Job? Zu sehr FDP-Filz? Oder vielleicht gar nicht der ethisch-moralische Saubermann, als der er sich gibt?

Von René Zeyer

Ist ein 68-jähriger Rentner der richtige Mann, um die UBS aus der grössten Krise ihrer Geschichte zu führen? Nun, man sollte vielleicht nicht sein Alter gegen den alt Bundesrat ins Feld führen. Wenn nicht A wie Alter, dann Z wie Zitate? «Das Bankgeheimnis ist nicht verhandelbar» stammt von ihm. Ist also der Politiker Kaspar Villiger der richtige Mann, um die UBS aus dem selbst verschuldeten Schlamassel um den kriminellen Missbrauch des Bankkundengeheimnisses zu führen?

Ist der Redner Villiger der richtige Fachmann, der doch vor zehn Jahren sagte: «Das gleiche Problem könnte sich auch beim Bund beim Konkurs einer Grossbank stellen. Es ist dies politisch eine schwierige Frage. Es gibt darauf nur eine klare Antwort: Kein Institut ist ‹too big to fail›, kein Institut darf je mit Hilfe rechnen können.» Ist der Vielredner Villiger der richtige Mann für die Rettung der UBS, wenn er noch Ende letzten Jahres sagte, dass die Ursachen für die Finanzkrise eindeutig bei der Politik und nicht bei den Banken lägen?

Ritter von der traurigen Gestalt

Nun, man sollte vielleicht nicht seine Worte gegen den FDP-Filzokraten Villiger ins Feld führen. Dann bleiben seine Taten. Kaspar Villiger war als Finanzminister der Ritter von der traurigen Gestalt beim Milliardendesaster der fehlgeschlagenen Rettung der Swissair. Kaspar Villiger ist nicht minder Ritter von der traurigen Gestalt als Verwaltungsrat und Mitglied des Risikoausschusses beim Milliardendesaster der Swiss Re. Und die NZZ floriert seit seinem Eintritt in den Verwaltungsrat auch nicht gerade. In Bankenkreisen würde man da ungerührt von einer negativen Bilanz sprechen.

Nun, man sollte vielleicht auch nicht gerade den Leistungsausweis gegen Villiger ins Feld führen, soll seine neue Rolle als VR-Präsident der wankenden UBS doch sein, dem existenzbedrohten Bankriesen neues Renommee zu geben, als Elder Statesman, als Integrationsfigur, als moralisches und ethisches Gewissen. Ist Villiger wenigstens dafür geeignet? Schauen wir in seine Vergangenheit als Verwaltungsrat. Villiger entstammt ja der gleichnamigen Stumpendynastie aus dem Aargau. In den achtziger Jahren verschwanden immer mehr kleine Tabakfirmen und wurden von Villiger geschluckt. Und da trug es sich zu, dass Kaspar Villiger Verwaltungsrat der Fabbrica Tabacchi Brissago SA (FTB) war, dem Hersteller der berühmten Brissagos. In dieser Eigenschaft erfuhr er, dass die FTB die Tabakfirma Eichenberger in Zetzwil zu übernehmen gedachte und sich sogar ein Vorkaufsrecht hatte einräumen lassen. Und was tat FTB-Verwaltungsrat Villiger im Jahre 1988? Villiger-Boss Villiger schnappte die Firma Eichenberger der FTB vor der Nase weg und verleibte sie seinem eigenen Imperium ein. Daraufhin wurde er natürlich hochkant aus dem Verwaltungsrat der FTB hinausbefördert, denn das gehört sich nicht einmal unter den hemdsärmligen Mitgliedern der helvetischen Tabaksgesellschaft. «Seither ist Villiger für mich gestorben», erinnert sich heute ein damals in leitender Funktion bei FTB Beteiligter.

Erinnert er sich?

Wir fassen zusammen: Der 68-jährige Kaspar Villiger hat als Politiker und als Verwaltungsrat einen eher durchwachsenen Leistungsausweis und hat sich als Gesprächspartner zum Thema Bankkundengeheimnis und Finanzkrise durch frühere Aussagen ziemlich disqualifiziert. Zudem hat der Banklaie Villiger in seiner Vergangenheit als Tabakverwaltungsrat nicht unbedingt so gehandelt, wie es die landläufigen ethisch-moralischen Prinzipien nahelegen.

Aber vielleicht erinnert sich der einstige Velofabrikant Villiger wenigstens noch rechtzeitig an einen wichtigen Bestandteil klassischer Zweiräder: den Rücktritt. Denn damit wäre der UBS und somit der Schweiz am besten gedient.

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