Nr. 39/2010 vom 30.09.2010

«Meine Fragen sind: Wer ist noch da, wo sind sie, und mit wem kann ich mich verbünden? Die Herstellung solcher Beziehungen ermöglicht erst ein politisches Handeln.»

Erfolg in Klagenfurt, Lob im Feuilleton. Aber eigentlich ist alles aufrührerischer gemeint: Ein Gespräch mit der Schriftstellerin Dorothee Elmiger über das Schreiben, die Revolution, die Musik, über Alpenliteratur und Appenzell.

Von Kaspar Surber

Es ist ein Sonntagvormittag Ende August, als Dorothee Elmiger zur Eröffnung des «Alpenhofs» eine Lesung hält. Der «Kulturfrachter», wie die BetreiberInnen um den Schriftsteller Peter Weber ihr Hotel nennen, soll zum Ort des künstlerischen Austausches werden. Zahlreich ist das Literaturpublikum über die kurvenreichen Postautorouten auf dem St. Anton zwischen Bodensee, Rheintal und Appenzell eingetroffen.

Elmiger, gerade 25 Jahre alt, hat vor Ende Juni am Lesewettbewerb in Klagenfurt den zweiten Platz erreicht. Doch hier betritt kein Jungstar, der sich selbstgefällig oder gekünstelt gibt, den Panoramasaal. Dafür blickt Elmiger viel zu verschwörerisch unter ihrem Scheitel hervor, und dazu liest sie viel zu klar.

«Einladung an die Waghalsigen», ihr erstes Buch, berichtet von den Schwestern Fritzi und Margarete Stein, die in einem verwüsteten Kohlerevier leben. Grund für die Zerstörung ist ein Feuer, das einst in den Bergwerkstollen ausgebrochen ist und noch immer wütet. Margarete erschliesst sich die Geschichte, indem sie Bücher liest, Fritzi durchstreift derweil die Landschaft, immer den Fördergerüsten nach. Der Vater ist örtlicher Polizeikommandant, überhaupt ist sehr viel Polizei überall: Sie züchtet Orchideen und hantiert mit Repetiergewehren. Die Mutter ist abgehauen. Fritzi und Margarete entdecken, dass es einst einen Fluss gegeben haben muss, der allenfalls wieder an die Oberfläche treten könnte. Der Fluss soll Buenaventura heissen. Sie machen sich auf die Suche nach ihm, eine Bibliothekarin weiss Rat, ein Pferd stösst dazu, ein Tankwart begleitet sie. Der Winter bricht herein, und eine Einladung wird verschickt für eine Konferenz, die zu einem ausufernden Fest werden soll.

Nach der Lesung im «Alpenhof» gibt es ein interessantes Publikumsgespräch; dabei wird das Buch vor allem als jugendlicher Aufbruch verstanden.

«Allerdings», heisst es an einer Stelle des Buches, «hätten wir uns gefreut über ein Handbuch für die Arbeit, die Revolutionen und das Meer. Hebt eure kleinen Fäuste wie Antennen zu den Himmeln, hätte es heissen können.» – «Lift Your Skinny Fists Like Antennas to Heaven», das war ein Albumtitel der Postrocker «Godspeed You! Black Emperor» aus Montreal: traurige, elegische Musik, im Kollektiv eingespielt.

Wir hatten im «Alpenhof» abgemacht, um über solche Hinweise, Verbindungen und Bündnisse, über das Schreiben und Appenzell, wo Elmiger aufgewachsen ist, zu reden. Hinter dem Hotel, an einem Tisch unter Tannen, es wehte ein leichter Wind.

WOZ: Die Montanwissenschaft – das Wissen über den Bergbau – ist in Ihrem Buch sehr wichtig. Was fasziniert Sie daran?

Dorothee Elmiger: Es begann mit den Fotos einer Stadt, die ich gesehen habe, von Centralia in Pennsylvania. Dort ist ein solches Unglück passiert, mit einem Feuer im Untergrund. Es gibt andere Städte, wo sich das Gleiche ereignet hat. Aus diesem Grund habe ich begonnen, mehr über den Bergbau zu lesen. Das Wort «Montanwissenschaft» löst bei mir viel aus. Es gibt ja ganz alte Schriften, die sich damit beschäftigen. Die Sprache der Bergleute ist eine eigene Sprache. Weshalb ich mich auch für das Technische so interessiere, kann ich nicht genau sagen – vielleicht, weil darin scheinbar unzweideutige Anhaltspunkte zu finden sind. Ich habe dann auch literarische Texte gelesen, die sich mit dem Bergbau beschäftigen. Es gab viele Schriftsteller, Volker Braun beispielsweise, die selbst ins Bergwerk gingen oder gehen mussten.

Sie sehen sich also in einer literarischen Tradition?

Das ist eine schwierige Sache. Ich habe nie in einem Bergwerk gearbeitet oder nur schon auf dem Bau. Das war ja in der DDR die Forderung: Die Schriftsteller müssen ins Bergwerk, damit sie wissen, was Arbeit ist. Ich habe mich also gefragt, ob ich über das Thema schreiben darf. Und ich habe gedacht, auf eine bestimmte Art muss man das können: Wenn man nicht behauptet, man wisse selbst Bescheid. Das Buch ist eher ein Nachschauen, ein Forschen.

Kann man sagen, dass über diesen forschenden Blick die Landschaft eigentlich zur Zeit wird? Der Brand im Untergrund ist die Vergangenheit, und der Fluss ist die Hoffnung, die Zukunft, die sich die Schwestern ausdenken?

Ja, in den Erdschichten liegt die Zeit. Aber es ist nicht klar, ob es den Fluss, den die Schwestern in der Zukunft erwarten, nicht schon in der Vergangenheit gegeben hat. Es ist ihnen nicht möglich zu sagen: Hier ist die Vergangenheit, dort ist die Zukunft. Es gibt keinen klaren Weg von A nach B. Es ist mir beim Schreiben ganz ähnlich gegangen wie den Schwestern, das Schreiben war ein Sammeln: Mit dem Ausdruck «Plot» kann ich überhaupt nicht arbeiten, weil ich die Verkürzung der Welt auf eine lineare Handlung nicht verstehe. Mir kommt dann immer so viel hinein, und alles franst aus.

Auch bei den Ortsnamen herrscht Verwirrung: Einige gibt es tatsächlich, andere sind erfunden.

Dies war ein weiteres Problem. Ich wusste zuerst nicht,ob es eine ganz konkrete, geografische Verortung geben soll. Ob es ein Buch über Amerika geben soll oder doch ein Schweizer Buch. Aber dann wären wieder die blöden Alpen vorgekommen.

Sie mögen die Alpen nicht?

Mich nerven halt diese Schweizer Alpenbücher, diese Geschichten aus den Bergen mit ihren archaischen Gestalten. Diese Kobolde oder was. Das ist doch einfach Ethnoliteratur. Die Alpen werden zu einer seltsamen Idylle verklärt.

In den Kritiken wird Ihre Landschaft als postapokalyptisch beschrieben. Aber wenn nun nicht klar ist, wo die Vergangenheit endet und die Zukunft beginnt, kann die Geschichte nur in der Gegenwart spielen.

Für mich ist es auch eine Beschreibung der Gegenwart. Aber ich habe immer etwas Angst, das zu sagen, weil dann das Buch nur scheitern kann. Postapokalyptisch würde ich es bestimmt nicht nennen. Die Apokalypse hat wieder etwas Unerklärliches. Nun ist zwar nicht bekannt, wie sich das Feuer im Bergwerk entzündet hat, aber es hat auf jeden Fall mit den Menschen zu tun. Als ich die Bilder von Centralia zum ersten Mal sah, haben sie eine Empfindung von mir sehr gut getroffen. Es war nicht so, dass mich die Fotos auf etwas Neues gebracht haben. Sie haben einfach gut funktioniert für das, was ich sowieso schreiben oder sagen wollte.

Elmigers Text überzeugte nicht nur die Klagenfurter Jury. Auch in den Feuilletons sind meist positive Besprechungen erschienen. Gerne wird die Rätselhaftigkeit betont. Von einer «wundersamen literarischen Welt» sprach «Die Zeit», «literarisch klug und ohne Prätention rätselhaft», meinte die NZZ. «An der ganzen Geschichte», heisst es hingegen im Buch selbst, «ist nichts Geheimnisvolles, wenngleich sie stellenweise für Verwirrung sorgen und dadurch schreckhafte Gemüter beunruhigen mag, wie es das Leben auch oft tut. Dies kann leider nicht verhindert werden.»

Es gibt aber auch Kritiken, die einen politischen Anspruch reklamieren: Von einem «Ruf nach Generationengerechtigkeit» schrieb «Die Welt». Elmiger sei eine «Deserteurin», meinte das «St. Galler Tagblatt». In der Besprechung der WOZ (siehe Nr. 32/10) stand: «Alle Codes, alle Namen und Begriffe verweisen auf bestimmte Absichten.» Einmal zum Beispiel findet Margarete ein Buch von Elvis Hirsch und Eric Elm, zwei jungen, kanadischen Brückenbauern und Kommunisten. Der Vater wirft das Buch «mit einem Polizeigriff» ins Feuer. Es trägt den Titel, wörtlich: «Zur Umgehung einzelner Teile der bestehenden Konstruktion oder zu ihrer Entfernung».

Vielleicht, mag man einwenden, ist Elmigers weniger als 150 Seiten langes Buch, bei dem auf einer Seite auch nur ein Satz stehen kann, etwas zu schlau komponiert. Und doch ist es mehr als ein Literaturhype. LeserInnen im Bekanntenkreis sprechen von «Wortviren, die im Hinterkopf bleiben», vom «schönsten, präzisesten Aufruf zur Umwälzung ever».

WOZ: Was ist Ihre Wahrnehmung der Gegenwart?

Dorothee Elmiger: Es geht darum, glaube ich, dass die zwischenmenschlichen Verbindungen fast verschwunden sind. Die Geschichte ist scheinbar abwesend. Es ist schwierig, Erfahrungen zu machen, echte Bezüge zu finden und Verbindungen zu ziehen, und es scheint auch keine Notwendigkeit zu bestehen, dies zu tun. Ich glaube aber nicht an dieses Ende der Geschichte, und meine Fragen sind: Wer ist noch da, wo sind sie, und mit wem kann ich mich verbünden? Warum sind viele weg, und wo findet man sie wieder? Und was macht man mit den anderen, die auch noch da sind, mit denen man aber nichts anfangen will? Die Herstellung solcher Beziehungen ermöglicht erst ein politisches Handeln.

Im «NZZ Folio» vom September 2010 malen sich neun SchriftstellerInnen die Zukunft aus. Der Text von Dorothee Elmiger heisst «Die Anwesenden» und berichtet im Stakkato aus dem Diesseits: «Dies sind die Schatten in den Räumen. Dies sind die, deren Namen niemand je gehört. Dies sind die mit der Angst im Nacken. Dies sind die mit den Migros-Gutscheinen. Dies sind die, die im Migros-Restaurant den Tag verbringen. Dies ist das Vergessen.»

WOZ: Ihr Buch ist also eine Einladung, solche Verbindungen neu zu knüpfen?

Dorothee Elmiger: Das Buch ist sicher politischer gemeint, als es wahrgenommen wird. Viele neuere Bücher verhandeln Familiengeschichten, und die zwingenden Beziehungen sind die familiären. Davon, finde ich, muss man sich befreien und andere Beziehungen eingehen. Es geht mir um nichtverwandtschaftliche Banden und Bündnisse.

Welche Rolle spielt die Polizei?

Die Polizisten sind nicht nur Sicherheitskräfte, sondern sie verwalten auch die Erinnerung. Sie bringen sie zu den Akten, bewahren sie auf. Für die Wiederherstellung von Beziehungen kann es hilfreich sein, etwas aus der Vergangenheit zu wissen. Damit wird auch die Frage wichtig, wer die Hoheit über die Geschichtsschreibung hat: Wie wird sie geschrieben, wo sind zum Beispiel die Frauen in der Literaturgeschichte, und wie kann man eine andere Geschichte behaupten?

Die Frauen sind in Ihrem Buch starke Figuren – bis auf die Mutter, die sich aus dem Staub gemacht hat.

Nein, auch sie ist eine starke Figur. Nach einer Lesung wurde ich gefragt, ob das eine Kritik sei an den modernen Müttern, die arbeiten gehen. So ist es aber nicht gemeint, im Gegenteil. Es ist sehr schön und wichtig, dass die Mutter aus dieser Gegend abgehauen ist. Dieses Weggehen verstehen auch die Töchter als Weigerung und nicht als Kapitulation, glaube ich.

In Ihrem Text klingt auch ein linkes Widerstandsvokabular an. Von Streik ist oft die Rede, und der Fluss heisst nicht nur Buenaventura nach einer schönen Zukunft, sondern auch nach Buenaventura Durutti, dem spanischen Anarchisten. Geht es Ihnen nur um eine frohe Zusammenkunft oder um eine weitergehende Veränderung?

Der Text ist keine konkrete Handlungsanleitung für eine Veränderung, die kann ich nicht geben. Aber vielleicht eine Aufforderung, wieder daran zu denken. Ich habe das Gefühl, dass nicht nur die Bedingungen für eine Veränderung schwierig sind, sondern der Gedanke oder die Erinnerung daran, dass es eine Veränderung überhaupt geben könnte oder braucht, nur schon das Bewusstsein dafür verschwindet immer mehr. Wenn man jetzt ganz abstrakt und banal über eine Revolution redet, dann geht es nicht darum, ob es sie morgen gibt oder nicht, sondern dass man sich überhaupt daran erinnert, dass es eine Revolution geben könnte. Der erste und wichtigste Schritt ist, dass man präsent hat, dass die Verhältnisse nicht so sein müssen.

Das sind klare Worte.

Wobei ich auch immer Angst habe, solche Wörter zu brauchen. Das ist ja im Buch eine wichtige Überlegung: wie man die Wörter verwendet. Es wäre notwendig, dass man deutlich ist. Man müsste wirklich auf den Tisch hauen. Aber wenn man deutlich ist, verkürzt, dann ist es auch weniger richtig – die Dinge sind ja nicht so einfach und nie frei von Widersprüchen.

Den Schriftsteller Peter Weber überzeugt die poetische Kraft des Buches. Er sagt: «Der Unterschied zu vielen Konventionaltexten liegt darin, dass hier jemand einem Ton vertraut und eine Gestalt dafür findet. Das Buch ist ja voller Anfänge, beginnt immer wieder von vorne. Es ist eigentlich ein grosser Anfang.»

Eine der Schlüsselpassagen, oder auch einfach eine der schönsten Passagen in Elmigers Buch, lautet so: «Wir müssen auch an die Haare dieses weissen Pferdes in der Zukunft denken. Von der Zeit kurz nach dem Aufwachen müssen wir sprechen, von der Veränderung des Lichts im Lauf eines Tages zum Besseren hin, von den Anzeichen des nächsten Tages, der so sein wird, wie wir das wollen. Von einem Flamingo und einem Sperling und einem Schneekranich, die über dem Gebiet ihre Kreise ziehen. (...) Wir müssen uns im wärmsten Raum des Hauses treffen! Wir müssen zu Recht behaupten, dass dieser Zustand nicht der letzte ist. Wir dürfen nicht glauben, dass die Dinge unumstösslich sind! Wir müssen jetzt auch von den unbekannten Wegen im Gebiet sprechen, sowie von den altbekannten, in Vergessenheit geratenen. Vor allem müssen wir von dem Fluss sprechen, dem Fluss Buenaventura, bis wir ihn finden. So weit wird’s noch kommen!»

Vielleicht ist es die grosse Kunst von Elmiger, dass sie ihre Sätze auf einen deutlichen Punkt zulaufen lässt. Und dann, im Moment der Eindeutigkeit, den Satz im Lachen, im Übermut, in der der Leichtfüssigkeit aufhebt: So weit wird’s noch kommen!

WOZ: In Ihrem Text ist ein mögliches Handbuch für die Revolution nach einem Godspeed-Album benannt – überhaupt ist Ihr Buch sehr musikalisch. Was ist Ihr Bezug zur Musik?

Dorothee Elmiger: Der Rhythmus ist mir beim Schreiben sehr wichtig, überhaupt die Verwandtschaft von Musik und Sprache – Wörter sind auch Klänge. In Appenzell, wo ich aufgewachsen bin, habe ich Musik gemacht. Und Musik zu hören, hat mir die Zeit in Appenzell gerettet. Ich habe immer FM4 gehört. Der Radiosender aus Wien war für mich ein Weg in die Welt hinaus, als ich noch nicht weg konnte. Eine gewisse Zeit war ich wirklich etwas nerdig, ich wusste immer, von welcher Band es eine neue Platte gibt. Das war schön.

Mir ist beim Lesen auch das Lied «Verlass die Stadt» der Wiener Musikerin Gustav in den Sinn gekommen, das ebenfalls von einer verwüsteten Stadt handelt.

Das kenne ich eben nicht, aber gerade letzthin hat mir jemand davon erzählt! Es ist ja etwas Lustiges beim Schreiben, das tönt jetzt fast esoterisch, dass man irgendwo etwas findet, was dasselbe ist, manchmal nur ein Satz. Es kommt einem vor, als würde man plötzlich Geister sehen. Wenn man darüber redet, dann klingt es wirklich esoterisch, aber vermutlich ist es das eben gerade nicht, sondern eine Gleichzeitigkeit, eine Verwandtschaft, die eher mit Absicht zu tun hat und nicht mit Zufall.

Sie haben gesagt, die Musik habe Ihnen die Zeit in Appenzell gerettet. Wie wird man von Appenzell aus überhaupt Schriftstellerin?

Man kann nie grundsätzliche Sachen über einen Ort sagen, ich habe dort auch ganz gute Freunde gehabt. Nicht viele, aber tolle. Und auch eine gute Familie. Trotzdem fand ich die Verhältnisse dort schwierig. Am Gymnasium bestimmte die Studentenverbindung einen beträchtlichen Teil des sozialen Lebens, die Junge SVP war ebenfalls gut in meiner Klasse vertreten. Im Nachhinein erscheint einem das unangenehm, aber im praktischen Leben ist es mir eigentlich gut gegangen. Man kann den Leuten keinen Vorwurf machen, sie sind ja sehr gesellig, aber ich habe mich wohl selbst nie so daheim gefühlt. Schon in Appenzell habe ich geschrieben, aber das habe ich niemandem gezeigt. Erst als ich weggezogen bin, habe ich dann Leute kennengelernt, die stundenlang über Bücher diskutierten.

Sie haben das Literaturinstitut in Biel absolviert und studieren heute Politikwissenschaft in Berlin. In Klagenfurt wurden Sie quasi über Nacht bekannt. Wie haben Sie das erlebt?

Ich dachte, dass die Jury den Text kritisieren wird. Im Vorjahr hatte ich sie beobachtet und mich fürchterlich aufgeregt. Ich kam mir also vor wie eine Stierkämpferin, die parat ist für den Stier – und dann kam doch nur eine Katze. Natürlich ist es schön, wenn man Lob bekommt, aber man muss sich dann wahrscheinlich auch fragen, was das bedeutet, aus welchen Gründen dieses Lob ausgesprochen wurde und ob man damit etwas anfangen kann. Ich glaube auch, dass zu viel Lärm für diesen Text und für das Nachdenken darüber nicht gut ist, besonders, wenn nicht mehr klar ist, ob es jetzt um den Text geht oder die Person oder um ganz andere Dinge. Mir ist grundsätzlich nicht wohl bei solchen Sachen, und ich gehe dann lieber wieder.

Es ist Ihnen also lieber, jemand liest Ihr Buch so, wie Sie FM4 gehört haben: für sich, als Geheimwissen?

Auf jeden Fall, ja.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch