Nr. 40/2010 vom 07.10.2010

Hier ist alles Alien

Die Frage, ob das da am Himmel ein Vogel, ein Flugzeug oder etwas ganz anderes ist, stellt sich für die 98 Einwohner von Rachel in Nevada nicht. Das Wüstendorf vermeldet die meisten Ufo-Sichtungen der Welt. Zu Besuch in der Wohnwagensiedlung.

Von Knud Kohr, Rachel / USA

«Waren das im Strassenschild eben Einschusslöcher?» Die Fotografin zieht die Schultern ein bisschen höher und fährt ein bisschen schneller. «Bei den beiden letzten hatte es die auch schon.» Auch meine Stimme klingt etwas rauer als sonst. Fotografin Eva und ich fahren auf dem Highway 375 durch Nevada. Vor ungefähr zwei Stunden oder 110 Meilen haben wir Las Vegas in Richtung Nordosten verlassen. Der Highway 375 trägt noch einen zweiten Namen: Extraterrestrial Highway. Denn nirgends auf der ganzen Welt werden so viele Ufo-Sichtungen vermeldet wie in diesem Teil der Mojave-Wüste.

Auf der linken Seite glänzen ein paar Trailer Homes in der Sonne. Sie gehören zu Rachel, dem einzigen Ort zwischen Las Vegas und Tonopah. 98 EinwohnerInnen und eine Kneipe namens Little A’Le’Inn, vor der eine fliegende Untertasse von gut zwei Metern Durchmesser am Hebekran eines Pick-ups hängt. «Earthlings Welcome» grüsst ein Ausserirdischer von einem Werbeschild, das danebensteht.

«The more you sweat in peace, the less you bleed in combat» – je mehr du in Friedenszeiten schwitzt, desto weniger blutest du im Gefecht: Der Aufkleber an der Kühlschranktür des Little A‘Le‘Inn lässt keinen Zweifel daran, dass Pazifisten, Demokratinnen und ähnliche Pussies hier nicht gern gesehen werden. «Clinton ruinierte einen Anzug, Obama ruinierte ein Land», steht gleich daneben. Auch das Little A’Le’Inn ist eigentlich nur ein Container. Die Wände sind übersät mit unscharfen Fotos, die angebliche Ufo-Sichtungen dokumentieren. Nicht nur von hier in Rachel und Umgebung – aus der ganzen Welt haben FreundInnen fliegender Untertassen ihre Beweise geschickt. Erstaunlich viele aus dem Schweizer Mittelland sind darunter. In allen Ecken stehen Souvenirs, oder sie hängen gleich an Haken von den Wänden: Alien-Puppen und -Wasserpistolen, Alien-Aschenbecher und -Poster. Natürlich auch Schnapsgläser in Form eines Alien-Kopfes.

Schweizer Ufos in Nevada

Plötzlich stehen zwei Gläser mit Leitungswasser vor uns auf dem Tresen. Hier weiss man, was die Gäste nach einer Fahrt durch den Staub am dringendsten brauchen. Wir lassen uns die Speisekarte geben. Zwischen all den Waffeln, Sandwiches und anderen Klassikern der hiesigen Imbisskultur wird auch ein Alien Burger angeboten. «Was ist denn das Besondere an dem?», will ich wissen. Der junge Mann hinter dem Tresen zuckt mit den Achseln. «Gar nichts eigentlich. Hier ist alles Alien.»

Der Mann heisst Cody und ist 22 Jahre alt. Sobald die Burger vor uns stehen und wir erwähnt haben, woher wir kommen, erzählt uns Cody bereitwillig seine Lebensgeschichte. Seine Grosseltern sind Joe und Pat Travis, die 1988 das Little A’Le’Inn gründeten. Vor etlichen Jahren floh seine Mutter Conny aus der Enge von Rachel. Sie zog nach Chino in Südkalifornien, heiratete und bekam Cody und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Adrian. Leider verlief die Ehe unglücklich. Conny hatte Schwierigkeiten mit Drogen, ihr Mann war gewalttätig.

«Vor sechseinhalb Jahren hatten Adrian und ich genug davon», sagt Cody, während er uns Eiswasser nachschenkt. «Wir haben unseren Vater krankenhausreif geschlagen, unsere Mutter ins Auto gesteckt und sind hierher zurück. Na ja, shit happens.»

Gestrandet in der Wüste

Rachel wurde in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre im Sand Springs Valley gegründet, wie dieser Teil der Wüste offiziell heisst. Union Carbide entschied sich, eine alte Wolframmine wiederzueröffnen. Schon zuvor hatten einige Menschen in Wohnwagen gelebt und für ein Agrounternehmen gearbeitet, das Luzerne anbaute. Als Gründungstag gilt der 22. März 1978, als das Valley an die Elektrizitätsversorgung angeschlossen wurde. Seinen Namen bekam der Trailerpark schon ein Jahr zuvor. Die Bewohner der Ansiedlung beschlossen, ihr Dorf nach dem ersten Kind zu benennen, das hier zur Welt kam. Das war Rachel Jones, die am 15. Februar 1977 im Wohnwagen ihrer Eltern geboren wurde. Die Familie zog bald weg, das Kind starb im Alter von nur drei Jahren. Ihr Name aber blieb. Bis heute feiern die Bewohner am zweiten Samstag im Mai den Rachel Day mit einer kleinen Parade.

Dank der Mine erlebte Rachel eine kurze Blütezeit, in der es bis auf 500 EinwohnerInnen anwuchs. Sich hier anzusiedeln, war damals so einfach wie heute: Man kauft ein paar Hektaren Wüste und stellt seinen Trailer drauf. Danach lässt man für 3500 Dollar einen Brunnen graben, legt eine Stromleitung vom Hauptkabel bis an seine Behausung und darf sich ab sofort als Bürger von Rachel fühlen. Dass unter diesen Bedingungen nicht nur ArbeiterInnen mit ihren Familien kamen, liegt auf der Hand. Mindestens ebenso häufig strandeten hier Spieler, die ihre bürgerliche Existenz in Las Vegas verzockt hatten. Menschen, die in anderen Staaten von der Polizei gesucht wurden, oder Männer, die vor der einen oder anderen Vaterschaftsklage flohen.

Ufos als Verdienstmöglichkeit

1988 schloss Union Carbide die Mine erneut. Die Arbeiterfamilien gingen, und schon ein Jahr später lebten hier nur noch wenige Dutzend Menschen. Etwas verdienen konnten einzig ein paar Arbeiter auf den Farmen, der Rest wartete auf irgendetwas. Die US-Regierung hätte vermutlich nichts dagegen gehabt, wenn der kleine Ort einfach aufgelöst und vergessen worden wäre. Denn Rachel war und ist die Ansiedlung, die der sagenumwobenen Area 51 am nächsten liegt, jenem militärischen Sperrgebiet, in dem neue Kampfflugzeuge der US Air Force zuerst getestet werden. Den Tarnkappenbomber etwa, der im zweiten Golfkrieg von 1990/91 seine Angriffe unsichtbar für das gegnerische Radar flog, hatten die EinwohnerInnen von Rachel schon Jahre zuvor über ihrem Ort kreisen sehen. Manchmal bemerkten sie auch, dass sich der Mond für Sekunden verfinsterte oder Sterne verschwanden. Dann nämlich, wenn die Testpiloten Flüge ohne jegliche Beleuchtung übten.

Ufo-Gerüchte gab es hier schon seit vielen Jahren. Ufo-Gläubige auf der ganzen Welt behaupten, dass in der Area 51 das Wrack des Raumschiffs aufbewahrt wird, das 1938 bei Roswell (New Mexico) abgestürzt sein soll. Und natürlich die Leiche des ausserirdischen Piloten. Oder vielleicht lebt er sogar noch und wird dort gefangen gehalten?

Fragt man die Leute in Rachel, ob sie je ein Ufo gesehen haben, werden sie meist wortkarg. «Ja, gerade gestern», sagen die dreisteren, «schade, dass du erst heute gekommen bist.»

Die Antwort der realistischeren EinwohnerInnen geht ungefähr so: «Wir sehen hier fast jeden Tag Ufos. Weil uns ja unbekannt ist, welche fliegenden Objekte der Armee gerade über der Wüste kreisen.» Diese verhaltenen Antworten rühren daher, dass Rachel mittlerweile von seiner Ufo-Legende lebt. Allzu offene Antworten würden nur das Geschäft schädigen. Vor gut zwanzig Jahren, nach der Schliessung der Mine, dachte allerdings niemand daran, dass mit Ufos Geld zu verdienen ist. Das änderte sich schlagartig im November 1989.

Agent 51 kocht einen Braunbären

Damals erzählte Bob Lazar, ein ehemaliger Arbeiter in der Area 51, in einer regionalen Talkshow, dass er in Nellis Range, einer Start- und Landebahn mitten im Testgebiet, bei Untersuchungen an einem ausserirdischen Flugobjekt mitgearbeitet habe. Von der Regierung kam kein Dementi. Allerdings nimmt die Regierung sowieso kaum je Stellung zu Fragen, die die Area 51 betreffen, da dort nahezu alles unter höchste Geheimhaltungsstufe gestellt ist. Für Rachel hätte nichts Besseres geschehen können. Wenige Tage nach der Show erschienen die ersten Ufo-Gläubigen.

Bob Lazar lebt heute nicht mehr in Rachel. Nachdem er in einem Fernsehinterview offen zugegeben hatte, in Las Vegas ein Videosystem für ein Bordell installiert zu haben, wurde er am 18. Juni 1990 wegen Zuhälterei angeklagt. Er bekannte sich schuldig und wurde zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Zudem hatte er sich in psychologische Behandlung zu begeben und sich von Bordellen fernzuhalten. Heute betreibt Lazar die Firma United Nuclear, eine Zulieferfirma für wissenschaftliches Zubehör in Albuquerque. United Nuclear bietet eine Auswahl von Materialien wie radioaktive Erze und verschiedene Chemikalien.

Im Little A’Le’Inn ist mittlerweile ein blonder Mann mittleren Alters mit wachen Augen und hastigem Blick erschienen. Er setzt sich an den Tresen und lächelt zu uns herüber. Dann bemerkt er, in welcher Sprache Eva und ich uns unterhalten. «Guten Tag, wie geht es Ihnen?», fragt er auf Deutsch mit schwerem Akzent. «Mein Name ist Ken.» Ungefähr eine Minute gibt Ken uns Zeit, uns selbst vorzustellen und darüber erstaunt zu sein, dass er unsere Sprache so gut spricht. Dann unterbricht er uns und beginnt, jetzt wieder auf Englisch, in rasender Geschwindigkeit von sich zu erzählen. Früher war er mal Musiker. Aber gelernt hat er eigentlich Koch. Auf der ganzen Welt hat er gearbeitet, für die Hilton-Gruppe. Aber auch hier, ein paar Meilen entfernt – neulich erst hat er für ein Mittelalterfestival einen Schwarzbären zubereitet. Den musste er 27 Stunden lang kochen. Zwischen den Jobs als Koch war er immer wieder Musiker, ebenfalls auf der ganzen Welt. Bis eine Suni-Indianer-Schamanin ihm gesagt hat, dass er einen Platz in der Wüste finden soll, um sich niederzulassen. Seitdem lebt er hier.

Ken leidet an einem ausgewachsenen Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, so viel ist klar. Wir fragen, ob er hier schon ein Ufo gesehen hat. Ken lacht und rückt näher an uns heran. «Ufos sind doch Blödsinn. Aber auf den Hügeln hier sitzen überall Leute von der CIA und hören uns ab. Macht euch keine Sorgen. Ich arbeite mit denen zusammen. Agent 51 heisse ich bei denen.» Zum Beweis zückt Ken einen Kugelschreiber. Als er auf die Spitze drückt, schaltet sich an dessen Spitze eine kleine Leuchte ein und wirft das Signet der CIA auf den Tresen. Ken zwinkert verschwörerisch. «Ihr braucht keine Angst zu haben.» Dass wir so einen Kugelschreiber von einem der Ständer an der Wand kaufen könnten, erwähnt Agent 51 nicht.

Später wird Cody uns erzählen, dass wir damit in die übliche soziale Kontrolle von Rachel einbezogen worden sind. Wann immer ein unbekanntes Auto vor dem Inn steht und nicht binnen der Zeitspanne verschwindet, die man für einen Burger und eine Cola braucht, schaut ein Einheimischer vorbei. «Das ist okay», sagt Cody. «Manchmal kommen hier echte Spinner rein. Neulich kam jemand, der sich ganz in Alufolie eingewickelt hatte und auf Befehle seines Kommandanten wartete. Und davor stand mein Vater in der Tür und wollte nicht mehr gehen. Da war es ganz gut, dass ein Nachbar mit seinem Gewehr vorbeigekommen ist und ihn vertrieben hat.»

Draussen sinkt schon die Sonne. Wir haben zu lange geplaudert.

«Wie weit ist es zur nächsten Stadt, und wo können wir tanken?», frage ich. «Tonopah liegt 110 Meilen von hier», sagt Cody. «Und bis zur nächsten Tankstelle sind es sechzig Meilen. Aber die hat abends nicht lange geöffnet.» Irritiert sehen wir uns an. «Äh, und wo gibt es das nächste Hotel?» – «Ihr könnt hier bleiben.» Cody zeigt durch das Fenster auf die Rückseite des Inn. Dort stehen zwei staubige Trailer in der Sonne und rosten vor sich hin. «Das Rachel Four Seasons. Zufällig sind heute beide Suiten unbelegt.»

Von innen sieht der Trailer gar nicht so schlecht aus. Zwei kleine Zimmer mit durchgelegenen Betten schmiegen sich von beiden Seiten an ein Kunstwerk aus Vollplastik, das Cody scherzhaft als «Badezimmer» bezeichnet. Immerhin, die Zimmer sind sauber, und in der Dusche hat es fliessendes und warmes Wasser.

Bevor wir Rachel am nächsten Morgen verlassen, wollen wir noch im Senior Center vorbei. Am Ortsrand hängt das Schild an einem der wenigen Steinhäuser. Ein Altenheim? Für 98 Einwohner mitten in der Wüste? Wenige Meter daneben sehen wir einen ungefähr vier mal vier Meter grossen Blechcontainer mit einem Kreuz. Die Rachel Baptist Church. Als wir an der Tür des Altenheims klopfen, öffnet uns ein etwa achtjähriger Junge. «Ich bin Vence», stellt er sich vor. Ja, er ist der Geschäftsführer dieses Unternehmens. Allerdings ist es kein Altenheim mehr, sondern ein Second-Hand-Laden. «Meine Mutter und ich arbeiten hier zusammen.» – «Na, gibt er wieder an?» Eine drahtige Frau Mitte vierzig schiebt Vence ein Stück beiseite. Seine Mutter Pam. Sofort fallen uns ihre starken Arme auf.

Ein Bus für einen Knirps

«Vor zwanzig Jahren war ich eine der ersten Gewichtheberinnen in Nevada. Aber dann habe ich meinen Mann kennengelernt, und wir sind nach Rachel gezogen.» Das Paar bekam drei Kinder. Eine Tochter, die mittlerweile weggezogen ist, und den Sohn Chance. Chance starb vor Jahren bei einem Autounfall. Die Familie war schon vorher zerbrochen. «Vences Vater und ich haben uns vor dreizehn Jahren getrennt. Er wohnt da hinten.» Seitdem putzt Pam für ein paar Leute und führt diesen Laden. Vence ist das einzige Kind in Rachel und hat jeden Tag einen Schulweg von zweimal 57 Meilen. Der Schulbus fährt nur für ihn in diesen Teil der Wüste.

Plötzlich sieht Pam den fragenden Ausdruck in unseren Gesichtern. «Jetzt fragt ihr euch: Vence ist acht, sein Vater und ich sind seit dreizehn Jahren getrennt. Wie geht denn das? Na ja, es gab da diese eine Nacht. Seitdem trinke ich Coors Light statt Budweiser.» Dann fährt uns Pam zurück zum Little A‘Le‘Inn. Besser gesagt: Vence fährt uns. Er setzt sich auf den Schoss seiner Mutter, bedient Lenkrad und Schaltung, sie die Pedale. Wahrscheinlich schauen wir schon wieder fragend. «Das machen wir schon so, seitdem er vier ist. Wenn ich ein bisschen zu viel getrunken habe, fährt er uns aus der Bar nach Hause.»

Am Little A‘Le‘Inn steht schon Ken. Er grüsst, indem er mit seinem Kugelschreiber auf uns zielt. «Langweilig heute. Vielleicht fahre ich gleich noch ein bisschen durch die Gegend und schiesse auf Strassenschilder.»

Ufologie

Glasnost für die Untertassen

In der US-Regierung gibt es Bemühungen, Berichte über Ufo-Sichtungen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

9 Prozent der US-AmerikanerInnen wollen schon einmal ein Ufo gesehen haben. 75 Prozent glauben, dass ihre Regierung Erkenntnisse über ausserirdische Besucher besitzt und vor ihnen geheim hält. Ergebnisse wie diese werden seit Jahrzehnten erzielt, wann immer man BürgerInnen in den USA zu ausserirdischem Leben befragt.

Seit Urzeiten haben Menschen unerklärliche Phänomene am Himmel gesehen. Am meisten Gedanken darüber machte man sich im letzten Jahrhundert in den USA. Schon die Bezeichnung «Ufo» für «Unidentified flying object» oder Unbekanntes Flugobjekt ist eine amerikanische Erfindung. 1951 wurde sie erstmals von einer Sektion des Air-Force-Geheimdienstes verwendet. Zu Beginn des Kalten Krieges wurden damit alle Flugobjekte bezeichnet, die nicht registrierte Flüge durchführten.

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war es zu einer Sichtungswelle gekommen. Der Erste, der ein unbekanntes Flugobjekt meldete, war der Geschäftsmann Kenneth Arnold – er hatte am 24. Juni 1947 über dem Mount Rainier sichelförmige Flugobjekte gesehen. Bald zeigte sich auch das Militär interessiert und begann Untersuchungen von Ufo-Sichtungen. Neben der Air Force beteiligten sich Forschungsunternehmen wie etwa die Aerial Phenomena Research Organization. Deren offizielle Haltung war, dass jede Sichtung völlig konventionell erklärt werden kann. Nach einer Untersuchung des Quantenphysikers Edward U. Condon der Universität von Colorado wurden Ufo-Phänomene 1969 für wissenschaftlich uninteressant erklärt. Einzig private Organisationen wie Mufon (Mutual Ufo Network) forschten weiter.

Einen neuen Anstoss bekam die Ufo-Forschung nicht durch die USA, sondern von der Uno-Generalversammlung. Am 18. Dezember 1978 forderte diese im Beschluss 33/426 «alle interessierten Mitgliedstaaten auf, auf nationaler Ebene geeignete Massnahmen zur Koordinierung einer wissenschaftlichen Forschung und Untersuchung ausserirdischen Lebens, einschliesslich der nicht identifizierten fliegenden Objekte (UFOs), zu ergreifen und den Uno-Generalsekretär über die Beobachtungen, Forschungen und Evaluierung dieser Massnahmen zu informieren».

Es dauerte Jahre, bis dieser Beschluss Folgen hatte. Ab 2004 kam es zu einer Welle von Veröffentlichungen: Geheimdienste, Militärs und Regierungen von unter anderen Britannien, Frankreich, Brasilien, Mexiko, Dänemark und sogar dem Vatikan veröffentlichten teilweise unkommentiert Berichte über Ufo-Sichtungen. Die Geheimhaltungspolitik der USA war plötzlich von der Zeit überholt worden.

Bereits im Oktober 2002 hatte John Podesta, damaliger Stabschef des Weissen Hauses unter Präsident Bill Clinton, in einer Rede vor dem National Press Club vorgeschlagen, dass die «Box mit den Ufo-Informationen» geöffnet werden sollte. Sechs Jahre später wurde Podesta Leiter von Barack Obamas Übergangsteam und sorgte massgeblich dafür, dass Leon S. Panetta zum CIA-Direktor ernannt wurde. Panetta, der bereits in den neunziger Jahren dafür eintrat, dass CIA und FBI öffentlichen Einblick in die Ufo-Akten geben sollten, hatte plötzlich einen der wichtigsten Posten der nationalen Sicherheit inne. Noch haben sich daraus keine spektakulären Einblicke ergeben. Aber vielleicht ist die von Podesta beschworene «Box» ja auch einfach leer.

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